Wohnhausanlage Holliger-Areal in Bern

Wettbewerb Neubau Wohnbauten

Projektwettbewerb
Auftraggeber: FAMBAU Genossenschaft und Baugenossenschaft Brünnen-Eichholz
Nettonutzfläche: 6.096 m²
Visualisierung: Fabien Schwartz und Karin Gauch

Der 2012 ausgeschriebene städtebauliche Entwurf für das Areal Holliger dient als Rahmenwerk für die bauliche Ausgestaltung der einzelnen Baufelder, auf denen förderbarer Wohnbau und wohnverträgliche Arbeitsnutzungen entstehen sollen.
Der Baukörper für den Bauplatz O3 wird als Scheibe entwickelt, welche die Gestaltungsbaulinie zum Arealhof auf ganzer Länge nachfährt und optisch bis in den südlichen Grünraum verlängert. Das langgestreckte Gebäude mit umlaufendem Horizont bildet eine starke Raumkante und erzeugt gleichzeitig eine ruhige Kulisse für das Entree – den Aufgang vom Quartiersplatz mit dem neuen Gebäudeensemble des U3. Durch das Auffalten der Fassadenfront zur Güterstrasse wird die Gebäudekubatur mit den nördlichen Freiräumen verzahnt und es entsteht eine skulpturale, präzise Geometrie, die an die Bauten des industriellen Erbes erinnert. Die Fassaden öffnen sich konsequent in Richtung Osten und Südwesten und insbesondere zur gemeinsamen Mitte. Die markante Dachkrone besetzt die gemeinschaftliche Dachterrasse mit Ausblicken über das neue Areal. Die maximale Gebäudehöhe wird nur im Bereich des zurückgestaffelten Geschosses erreicht. Die städtebaulich wirksame Gebäudefront zum Arealhof bleibt auf Höhe der Dachterrassenbrüstung deutlich niedriger als der benachbarte O2. Dessen südseitige Silhouette wird durch den tieferliegenden, langgestreckten Gebäudehorizont des O3 wie selbstverständlich ergänzt.
Der Sockel wird mit einem rein gewerblichen Geschoss zum Arealhof und einer Mischnutzung im Geschoss darüber entwickelt. Die gewerblichen Flächen werden nutzungsoffen und disponibel konzipiert. Eine flexible Einteilung der Flächen zu Einheiten zwischen 55² und 440m² ist problemlos und nachhaltig möglich. Der Kindergarten nimmt den südlichen Riegelkopf ein und erstreckt sich über beide Sockelgeschosse. Der Zugang erfolgt über das Foyer des Haupteingangs vom Quartiersplatz. Leicht angehoben vom Platzniveau setzt er sich von den sonstigen gewerblichen Flächen am Platz ab ohne visuelle Bezüge zu unterbinden. Der Kindergartenfreibereich wird ebenerdig der unteren Kindergartenklasse vorgelagert. Aufgrund des angehobenen Niveaus kann der Freiraum die Kubatur der Tiefgarage im 3.UG vollständig überdecken und somit die zur Verfügung stehende Fläche größtmöglich ausnutzen. Der Höhensprung auf das obere Wiesenniveau erfolgt erst mit der Begrenzung durch die Tiefgarage im 2.UG.
Das obere Sockelgeschoss – 1.UG – wird als Tiefparterre ausgebildet und ermöglicht so eine natürliche Belichtung der tieferen Sockelzone. Durch die Ausbildung des Erdgeschosses als Hochparterre werden die nach Osten ausgerichteten Zimmer und Wohnräume angehoben vom halböffentlichen Vorland zur Güterstrasse. Die Nebeneingänge von der Güterstrasse werden ebenfalls abgesenkt – die rückseitige Erschliessung erfolgt tatsächlich in 1.UG. Räumliche Konflikte zwischen privaten Wohnräumen und öffentlich zugänglichen Bereichen werden so vermieden und eine gemeinschaftlich bespielbare Freifläche zur Güterstrasse bleibt erhalten.
Das Gebäude wird mit drei Treppenhäusern und jeweils als 2- bzw. 3-Spänner entwickelt. Die Wohnräume orientieren sich zum Arealhof bzw. nach Süden und Südwesten. Wohnungen ab einer Größe von 4.5-Zimmern werden durchgesteckt bzw. über Eck orientiert. Durch die aufgefaltete Front an der nördlichen Baulinie, können die Schlafzimmer in Richtung Osten orientiert und die Belichtungssituation an der dem Platz abgewandten Fassade deutlich verbessert werden. Der Wohnungsmix entspricht dem vorgegebenen Spektrum und wird geschossweise und über 6 Regelgeschosse abgedeckt. Im Sockel entstehen zusätzlich vier südorientierte 2.5-Zimmerwohnungen mit einer grosszügigeren lichten Raumhöhe. Die Wohnungen bieten flexible Nutzungsvarianten in Bezug auf die Schlafzimmer, sowie Optionen das jeweils südseitige Zimmer durch Schiebetüren dem anliegenden Wohnraum zuzuschalten. Die privaten Freiräume werden durchgängig als Loggien thematisiert und differenziert in die Wohngrundrisse eingeflochten. Der hausinterne Dachgarten nimmt das gesamte 6. Obergeschoss ein und wird räumlich durch die gemeinschaftlichen Angebote von Waschküchen und Trocknerräumen ergänzt. Durch die breite Front nach Süden und mit Blick über das Areal bietet er allen Bewohnern gleichwertige und qualitätvolle Gemeinschaftsterrassen ohne räumliche Konflikte zu privaten Freiräumen oder Wohnungen.
Die derzeitige Planung der Tiefgarage wird aufgrund der Lage der Treppenhäuser geringfügig angepasst. Die notwendige Anzahl der PKW-Stellplätze wird berücksichtigt. Die Velogarage im 1.UG wird mit der nördlichen Gebäudegeometrie verzahnt – es entsteht einerseits ein direkter Ausgang über die nordwestliche Treppenanlage zum Hof, andererseits eine belichtete interne Verbindung mit interessanten Sichtbezügen zum oberen Eingangsbereich.
Das Erdgeschoss wird erhöht projektiert und das 1.UG erzeugt somit teilweise oberirdische Kubatur. Um die Kubaturbeschränkung des Überbauungsplan von 6´100m² oberirdischer Geschossfläche zu wahren, wird die Geschossfläche des 1.UG in der Berechnung der GFo mitberücksichtigt. Die Summe der Geschossflächen der oberirdischen Geschosse inkl. des 1.Untergeschosses liegt unterhalb der max. erzeugbaren GFo.
Die starke horizontale Struktur der Loggienplatten wird aufgenommen – umlaufende Sichtbetonbänder gliedern den Baukörper und betonen die markante Geometrie. Die opaken Fassaden werden mit Verblendmauerwerk aus geschlämmtem Backstein materialisiert. Die Farbgestaltung wird in dunklen Sand- und Naturtönen gehalten.