Werkhof TBA Affoltern am Albis

Wettbewerb Neubau Einstell- und Lagerhalle

selektives Vergabeverfahren
Auftraggeber: Hochbauamt Kanton Zürich
Nettonutzfläche: 629 m²
Visualisierung: studiohometown

Das Grundstück für die Erweiterung des Werkhofes in Affoltern am Albis befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof im Industriegebiet und nahe der zukünftigen erweiterten Zentrumszone. Die Umgebung ist geprägt von großmaßstäblichen Überbauungen und Werkgebäuden. Der Werkhof wird gemäß der Funktionsbereiche von Lager und Fahrzeughalle, sowie derer thermischen Anforderungen aufgegliedert, und als zwei multifunktionale Hallen projektiert. Zwei lineare Baukörper ordnen sich in die orthogonale Struktur der Bestandsgebäude ein und runden die Anlage wie selbstverständlich ab. Die leichte Neigung der Riegel nehmen die Orientierung der umliegenden Bebauung auf und vermitteln so das Werkhofgelände zu den direkt angrenzenden Gebäuden. Durch die Setzung der 2 neuen Werkhallen werden auch die Straßen- und Werkhofflächen auf natürliche Weise zoniert. Die linearen Zwischenräume zwischen Neubauten und Bestandsgebäude bilden die primären Ordnungselemente der Anlage. Sie sind als Durchfahrten bzw. Werkhof definiert, entlang derer sich die verschiedenen Werkhof Funktionen aufreihen. Zur Industriestraße schirmt ein großzügiger Grünstreifen das Areal ab. Im hinteren Bereich ist das Werkhofareal durch einen Geländevorsprung natürlich eingefasst. Das gesamte Areal wird umlaufend durch einen Zaun begrenzt.
Die zwei fast identischen Hallenbauten zeichnen sich durch klar differenzierte Fassaden sowie prägnante Dächer aus. Den Betriebsablauf wiederspiegelnd, sind die Hallen auf der Ost- und Westseite mit verglasten Toranlagen transparent gestaltet. Durch die Durchlässigkeit entstehen interessante Blickbeziehungen innerhalb des Werkhofgeländes und betrieblich effiziente Abläufe. Auf der Nord- und Südseite sind die Hallen durch schlanke, holzverkleidete Wandscheiben eingefasst. Einerseits schirmen diese die Innenräume vor Einblicken ab, andererseits lassen die städtebaulichen Lücken zwischen den Hallen interessante Blicke in das Werkgelände zu. Die filigrane Hülle dient als Wetterschutz der Holzbaukonstruktion und bildet darüber hinaus ein vorgelagertes Dach, welches den Arbeitsbereich vor den Toren einrahmt. Die Tragstruktur der Hallen (freitragende Holz Kassettendecken) trägt als wesentliches Gestaltungsmerkmal zum Gesamtausdruck der Gebäude bei. Die großzügigen, sich zugewandten Vordächer von Lager- und Fahrzeughalle betonen die betriebliche Mitte des Werkhofensembles. Gleichzeitig dienen die Überdachungen als optimaler Umschlagplatz. Das Kassettentragwerk löst sich in den Vordächern langsam auf und gibt den Vordächern eine interessante Rhythmik. Die Dächer werden an nur wenigen Punkten von der Unterkonstruktion der Großen Tore aufgefangen. Diese Ausführung, sowie die unterschiedliche Materialwahl für Dach und Fassade, unterstützt zusätzlich das Bild der durchlässigen Hallen. Außerhalb der Betriebszeiten erscheinen die Fahrzeughalle wie zwei geschlossene Riegelbauten. Zu Beginn des Tagesablaufs jedoch öffnen sich die Gebäude, so dass zwei «große Tore» die Einstell- und Lagerhalle mit dem Werkhofgelände verschmelzen lässt. Der Arbeitsbereich der Hallen wird durch die Vordächer in das umgebende Gelände erweitert. Durch die großen transparenten Tore ist eine natürliche Belichtung der Hallen garantiert. Die Materialisierung der Hallenbauten in Holz dient einerseits dem schnellen Bauablauf und anderseits unterstützt das Material eine angenehme Arbeitsatmosphäre.
Im Außenraum erfolgt eine klare Trennung aller Verkehrsflüsse: Winterdienst (Salz, Sole) und Anlieferung, Werkhoffahrzeuge, Privatfahrzeuge der Mitarbeiter und Besucher. Das neue Werkhof Gelände wird von der Industriestraße erschlossen. Um die Verkehrssicherheit zu verbessern, werden neu 2 Gemeindestraßenanschlüsse vorgesehen. Die projektierte Einfahrt erfolgt im Osten an die Industriestraße. Die bisherige Einfahrt dient zukünftig als Ausfahrt des Werkhofes. Das Verkehrskonzept für den Winterdienst wird als Einbahnverkehr projektiert. Eine Fahrspur für den Winterdienst und für die Anlieferung der Lager führt um die neuen Gebäude herum und ist auf die Schleppkurven von einem 40t LKW ausgelegt. Um einen ununterbrochenen Betrieb sicher zu stellen sind die Silos sowie Waschplatz und Sole auf einer zusätzlichen Fahrspur angeordnet, so dass parkierende Fahrzeuge den Verkehrsfluss nicht behindern. Der Ablauf entspricht den betrieblichen Anforderungen: Salz, Sole, Waschplatz, Tanken, Büro und integriert den Standort der bestehenden Tankstelle und des Büros wie selbstverständlich in den Ablauf. Zwei elektrisch betriebene Tore regeln zukünftig die kontrollierte Ein- und Ausfahrt. In der Mitte der zwei neuen Hallenbauten befindet sich der WerkHOF. Dieser beinhaltet einen Wenderadius von 20 m, so dass die Fahrzeuge in diesem Bereich problemlos rangieren können unabhängig vom Winterdienst. Der WerkHOF dient außerdem des Be- und Entladens der Fahrzeuge. Der Abstand zum Anhängen der Pfadschlitten von 18 m wird eingehalten. Unabhängig vom Werkverkehr werden die PP für Besucher und Werkmitarbeiter im Straßenabstand entlang der Industriestraße angeordnet. Die Erschließung erfolgt ebenfalls im Einbahnverkehr. Um gefährliche Rückwärtsfahrten zu vermeiden, ist die Fahrzeughalle durchfahrbar projektiert. Den Schleppkurven der zwei LKWs mit Pflug (1.5) für den Winterbetrieb wird insofern Rechnung getragen, dass die Tore über drei Achsen spannen und somit durch einen verbreiterten Parkplatz das problemlose Parkieren auch im Winter sichergestellt ist. Unmittelbar gegenüber der Fahrzeughalle und dem Bestandsgebäude ist die neue Lagerhalle angeordnet. Diese ist zweiseitig bedienbar und ebenerdig erschlossen. Ein Hochregallagersystem bietet ein effizientes Lagersystem auf kleiner Grundfläche. Die zentrale Lage der Halle macht die effiziente Benutzung sowohl der bestehenden Fahrzeughalle sowie der neuen Fahrzeughalle gleichermaßen möglich.
Das Werkhofgelände ist mit einem Staketengeländer umzäunt, das entlang der Industriestraße und Im Spitzen Stein mit einem Sockelmäuerchen ergänzt wird. Die Umzäunung bietet die nötige Sicherheit, ist aber auch transparent genug, um die dahinterliegende Bepflanzung und die neuen Gebäudefassaden vom Straßenraum her erlebbar zu machen. Ein begrüntes Band bildet einen attraktiven Puffer zwischen der öffentlichen Straße und dem Werkhofgelände. Die lichten Kronen der in Gruppen gepflanzten Hochstamm-Bäume erzeugen mit ihrem Schattenspiel eine sich im Laufe der Jahreszeiten wandelnde Kulisse vor den Fassaden der neuen Werkhofgebäude. Im Bereich vor dem bestehenden Gebäude wird die Bepflanzung durch Blühsträucher ergänzt, die räumlich eine gewisse Privatheit schaffen. Das Werkhofgelände selber wird der Nutzung entsprechend mit Asphaltbodenbelag ausgeführt.
Im Sinne der Nachhaltigkeit sind die Gebäude als kompakte Baukörper konzipiert. In der Anordnung der Nutzungseinheiten wurde eine energetisch sinnvolle Anordnung aus unbeheizten und beheizten Räumen berücksichtigt.
Aufgrund der Anforderung 5°C gilt die Halle als unbeheizte Nutzung. Um den sommerlichen Wärmeschutz sowie die Frostsicherheit zu gewähren wird das Volumen umschließend gedämmt. Die vorgesehenen Tore erfüllen einen U- Wert von < 1.7 W/m2K und stellen gleichzeitig die natürliche Belüftung der Einstellhalle sicher. Eine Lüftung im Deckenbereich, unter dem Dach sorgt dafür, dass die Schadstoffe der Fahrzeuge abgeführt werden und lässt sich bei Bedarf mit einer Notheizung kombinieren. Eine eigentliche Heizung ist durch die passiven Maßnahmen nicht nötig. Für das Gebäude ist eine eigene Elektrounterverteilung in Schrankform vorgesehen.
Das Außenlager (Gedeckter Außenbereich) dient der Unterstellung unkritischer Güter. Das Volumen ist luftoffen geplant. Die Temperatur kann somit im Winter kalt sein und im Sommer Werte um Außentemperatur annehmen. Durch eine geschlossene Hülle wird sichergestellt, dass keine Blätter und Tiere sich in den Lagerflächen sammeln. Es sind weder mechanische Lüftung noch Heizung notwendig. Je nach Anforderungen wird der Waschplatz thermisch abgetrennt um ganzjährig Frostsicherheit zu gewähren. Sollte Warmwasser benötigt werden, kann dieser alternativ zum Anschluss an den Nahwärmeverbund, durch eine dezentrale Luftwasserwärmepumpe sichergestellt werden. Für das Gebäude ist eine eigene Elektrounterverteilung in Schrankform vorgesehen
Auf beiden Volumen wird Patz für die Aufstellung von Fotovoltaik vorgesehen. Damit kann der Energiebedarf der Gebäude mit Erneuerbarer Energie abgedeckt werden.