Volksschule Weißkirchen in der Steiermark

Wettbewerb Generalsanierung

Verhandlungsverfahren
Auftraggeber: Marktgemeinde Weißkirchen in der Steiermark
Nettonutzfläche: 568 m²
Visualisierung: moh-architects

Das bestehende Volksschulgebäude ist ein über viele Jahrzehnte gewachsener, mehrteiliger Gebäudekomplex im Zentrum von Weisskirchen. Mit der angrenzenden Neuen Mittelschule wird ein teilweise eingefasster Schulhof auf der Westseite des Gebäudes gebildet, über welchen die Volksschule auch erschlossen wird. Die wesentlichen Ziele aus der Variante 5 der Projektentwicklung werden von uns positiv beurteilt und bilden die Grundlage unseres Vorschlags. Dies betrifft einerseits den Turnsaalzubau an den südlichen Gebäudetrakt von 1981, andererseits die Schaffung von Lernclustern im Bestandsgebäude, die Erweiterung der Ganztagsschule sowie die Umstrukturierung des Untergeschosses. Jedoch empfehlen wir auf die kleineren Anbauten unterschiedlicher Geschossigkeit auf der Westseite des Bestandsgebäudes zu verzichten, sowie die Maßnahmen im Bestand auch hinsichtlich ihres baulichen Aufwandes zu bewerten und das Raumkonzept dahingehend zu optimieren.
Die in Variante 5 projektierte Raumkonfiguration sehen wir hinsichtlich der Tiefe der Eingriffe in die bestehende Tragstruktur als äußerst problematisch. In Anbetracht des gegebenen Kostenrahmens sowie der beschränkten Zeitfenster für die Umbaumaßnahmen müssen die Lösungsansätze auch in Form einer Kosten zu Nutzen-Bilanz bewertet werden. Im Sinne einer leistbaren, effizienten und räumlich ansprechenden Lösung, möchten wir vorschlagen das Raumprogramm von 10 auf 9 Stammklassen zu reduzieren. So wie uns die derzeitige, wie auch prognostizierte Entwicklung der Schülerzahlen dargestellt wurde, kann die Umsetzung von nur 9 Stammklassen den erforderlichen Raumbedarf leicht abdecken. Bei Umsetzung von 9 Stammklassen können mit wesentlich weniger baulichem Aufwand bzw. weniger kostenintensiven statischen Maßnahmen 4 flächenmäßig ausgewogene Lerncluster mit jeweils 2 bzw. 3 Stammklassen und hohen Raumqualitäten ausgebildet werden. Wir schlagen außerdem vor auf die baulichen Ergänzungen (für Aula, Bibliothek, offene Lernbereiche) innerhalb der Gebäudenischen an der Westfront zu verzichten, da wesentliche Eingriffe in den Bestand unumgänglich werden, jedoch der zu erwartende funktionale bzw. räumliche Mehrwert begrenzt sein wird. So müsste auf die natürliche Belichtung und Belüftung der Gangzonen verzichtet werden, geometrische Konflikte wären vorprogrammiert, die Raumpotentiale der neu geschaffenen Flächen zudem stark durch die Rahmenbedingungen des Bestandes bestimmt. Mit ähnlich statischem Aufwand wie die Vorstudie (V.5) haben wir als Option eine Variante mit 10 Stammklassen – jedoch ohne Ergänzungsflächen an der Westfassade und somit ohne notwendige Eingriffe in die tragende Außenwand – beigelegt. Siehe hierzu Piktogramm „Raumkonzept mit 10 Stammklassen“. Anstatt eines aufwendigen Anbaus von Flächen für Aula und Bibliothek an der Westfassade, schlagen wir vor diese Funktionen im Zusammenhang mit dem Turnsaalzubau zu konzipieren. Durch eine Erweiterung des Zubaus um die Flächen für Aula, Erschließung und Bibliothek besteht die Möglichkeit erhebliche betriebliche Synergien und räumliche Mehrwerte zu generieren sowie städtebauliche Schwachstellen zu beheben.
Der bestehende Schulkomplex wird stark durch die Aneinanderreihung von Gebäudeteilen unterschiedlicher Jahrgänge geprägt. Im Sinne dieser Tradition des „Weiterbauens“ halten wir einen Zubau an der Südseite des Gebäudekomplexes für sehr schlüssig. Durch die Erweiterung bzw. Verlängerung des südlichen Traktes gewinnt der Schulhof durch die räumliche Fassung an Aufenthaltsqualität. Das städtebauliche Ensemble aus Volks- und Mittelschule wird sinnvoll ergänzt. Dem Bestandgebäude und dem Turnsaal werden die Flächen für Aula, Erschließung und Bibliothek zwischengeschaltet. Aufgrund dieser Anordnung erhält die Volkschule eine starke neue Adresse: Schon beim Betreten des Schulgeländes wird der Blick auf den Neubau mit dem neuen Haupteingang gelenkt auf den man sich nun gerade zu bewegt. Auch die Wegeführung und Verteilung innerhalb des Schulhauses erfolgt natürlich und selbstverständlich. Die neue Aula funktioniert als eine Art Gelenk: Das neue Stiegenhaus mit Lift verbindet auf kurzen Wegen die Aula mit der Zentralgarderobe, dem Turnsaaltrakt und der Bibliothek. Unmittelbar angrenzend befindet sich auch der Speisesaal mit separater Küche. Eine synergetische bzw. auch flexibel zusammenschaltbare Nutzung von Küche, Aula und veranstaltungstauglichem Turnsaal ist somit problemlos möglich. Als Rückzugsort und doch im Zentrum des Geschehens fungiert die Bibliothek oberhalb der Aula mit Anknüpfung an das 1. Obergeschoss. Die Ganztagsschule wird im nördlichen Gebäudetrakt im Erdgeschoss untergebracht. Durch die unmittelbare räumliche Verknüpfung kann die Aula als vollwertige Bewegungs- und Aufenthaltsfläche für die GTS zur Verfügung stehen. Darüber hinaus werden auch der Pausenhof, die Bibliothek, sowie der Schulgarten auf dem Dach des Turnsaals zu wertvollen und leicht erreichbaren Ergänzungsflächen im gesamten Tagesablauf. Der Zubau ordnet sich formal in das bestehende Ensemble ein. Eine vertikal fein strukturierte Holzfassade bespielt die große Turnsaalkubatur. Diese nimmt einerseits Bezug auf die Fenstergliederung der Bestandsbauten, andererseits bricht sie geschickt die verlängerte Front zum Pausenhof und setzt den Neubau sichtbar und bewusst ab. Der Innenraum der Aula ist von Durchsichten ins Freie sowie Sicht-und Wegebezügen der angrenzenden Funktionen geprägt. Die Treppe wirkt als zentrales gestalterisches und ordnendes Element. Ansonsten steht dieser Raum als großzügige, universell nutzbare und nachhaltig bespielbare Fläche zur Verfügung. Die Fenster im Bestandsgebäude werden getauscht, die obere Geschoßdecke wird gedämmt. Die inneren Maßnahmen erfolgen sensibel und beschränken sich in großen Teilen auf die Oberflächensanierung. Die teilweise Öffnung der Räume bzw. der Einsatz verglaster Flächen erzeugt eine funktionale und visuelle Verschränkung zwischen Klassen und offenen Lernzonen. Ein übergeordnetes Farbkonzept gewährleistet eine einfache Lesbarkeit der Raumzusammenhänge und der Orientierung im Gebäude.
Die beiden bestehenden Treppenhäuser im Bestandsbau werden zu sicheren Fluchttreppenhäusern mit direkten Ausgängen ins Freie umgebaut. Hierdurch werden die Flächen automatisch in sinnvolle Bereiche geteilt und die gesetzlich vorgegebenen Fluchtweglängen nicht überschritten. Der Keller sowie die Zentralgarderobe werden als eigene Brandabschnitte ausgebildet. Die Maßnahmen zur Entrauchung, Fluchtwegbeleuchtung und Alarmierung werden gemäß OIB bzw. TRVB umgesetzt. Die barrierefreie Erschließung des gesamten Gebäudes wird durch die neue Treppe inkl. Lift im Zubau sichergestellt. Diese Treppe inkl. der gesamten Aula kann aufgrund der geringen Fluchtweglänge von Brandschutzanforderungen und Rauchabschlüssen freigehalten werden.