Visitor Center IST Austria

Wettbewerb Neubau

öffentliche Ausschreibung
Auftraggeber: Land Niederösterreich
Nettonutzfläche: 1.091 m²
Visualisierung: k18

Das Visitor Center ist Landmark und Aushängeschild, Empfangsbereich und Mittelpunkt des Campus. Darüber hinaus ist es ein Ort, an dem Wissenschaft und Gesellschaft in einen Dialog treten. Hier wird nicht nur Wissen geteilt und über Forschungsprojekte informiert, sondern – im Sinne der „Responsible Science“ – der Besucher auch eingeladen an einem Austausch auf Augenhöhe teilzunehmen. Ziel soll sein, vorhandene Hemmschwellen gegenüber der Forschung zu überwinden und einen gesellschaftlichen Prozess zu unterstützen, in dem Wissenschaft und Innovation als Bereicherung wahrgenommen werden.
So setzt unser Vorschlag für das Visitor Center des IST Austria Campus auf eine Architektur, die einlädt, inspiriert und reflektiert. Welcher Raum bietet für vielfältige Präsentationskonzepte, Methoden und Formate und eine Plattform schafft für heutige und zukünftige Forschungsinteressierte.
Das lockere Ensemble von Solitären rund um den See wird durch einen weiteren Baustein ergänzt: Der Pavillon zeichnet sich als eigenständige Figur mit kreisrundem Footprint selbstbewusst ab und wird in die umgebende Parklandschaft eingebettet. Der abgesenkte Freibereich für die Outdoor Exhibits orientiert sich zum Wasser und wird durch die bestehenden großen Bäume großzügig beschattet. Die langgezogene Kante am Geländesprung flankiert einen „Science Trail“ mit weiteren Hands-On Experimenten sowie Sitzmöglichkeiten entlang des Ufers und bietet auch außerhalb des Centers ein breites Panorama auf die Outdoor-Ausstellung.
Der multifunktionale Vorplatz mit Eingang zum Visitor Center wird zum Inneren des Campus nach Norden orientiert und knüpft so an die übergeordneten Wegebeziehungen zu Hauptgebäude und Lecture Hall sowie zu Cafeteria und Parkplätzen an.
Welcome Bereich und Science Center werden als offene, disponible Flächen konzipiert. Durch den zentralen Lichthof wird der Innenraum als Raumkontinuum wahrgenommen, der den Bewegungsstrom durch das Gebäude natürlich unterstützt. Aufgrund der ringförmigen Anordnung der Nutzungsbereiche um diesen Hof erfolgt eine einfache Zonierung in Personalräume und Flächen für den Publikumsverkehr ohne visuelle Barrieren zu erzeugen. Zudem schaffen vielfältige Quersichtbezüge eine hohe Transparenz und ermöglichen eine leichte Orientierbarkeit innerhalb des Gebäudes.
Die radiale Gebäudestruktur wird durch die konsequente vertikale Gliederung auch in der Fassade ablesbar. Eine diagonale Schnittfläche unterteilt die zylindrische Figur in zwei Teile: Die untere Fassadenhälfte wird verglast, die obere mit polierten Edelstahl- oder Aluminiumkassetten verkleidet. Die sanft bewegte Schnittkante zwischen offenen und geschlossenen Fassadenbereichen erzeugt im Innenraum Zonen mit unterschiedlichen Lichtstimmungen und Hierarchien. Im Außenraum verblüfft die Fassade durch ihr Spiel mit der Reflektion und der Besucher wird wie selbstverständlich eingeladen zur Interaktion – ob durch das ein oder andere Selfie oder durch die Erforschung der optischen Effekte in der Spiegelung. In diesem Sinne wird der Pavillon selbst zum Exponat in der Parklandschaft und bleibt über den Besuch hinaus in Erinnerung.
Der Weg durch das Gebäude ist durch abwechslungsreiche und spannungsvolle Raumsequenzen geprägt und wird über die gesamte Länge bespielt. In der Welcome Area wird der Besucher in Empfang genommen und beginnt von hier seine Erkundungstour: An der Campus Map und Coffee Lounge vorbei lädt der beruhigte Bereich „At A Glance“ zum Verweilen ein, bevor sich der Besucher entlang des Lichthofs weiter hinunter Richtung Science Center schraubt – welches den gesamten unterirdischen Footprint des Pavillons einnimmt. In dieser Bewegung nach unten öffnen sich vielfältige Durchblicke und Sichtbezüge und die konzentrische Struktur des Gebäudes wird besonders erfahrbar. Unten angekommen folgt der Besucher dem vorgegebenen Bewegungsfluss und durchläuft im Uhrzeigersinn den offenen Ausstellungsbereich, an welchen die Workshop Area sowie der Freibereich für Outdoor Exhibits direkt angelagert werden.
Die vertikalen Lasten der kreisförmigen Holzdachkonstruktion werden über die radial angeordneten Brettschichtholzträger an die Innen- respektive außenliegenden Fassadenstützen weitergeleitet. Der Horizontale Lastabtrag erfolgt über die als Scheibe ausgebildete Dachfläche nach außen und wird über vier der insgesamt 17 Fassadenfelder, die rotationssymmetrisch angeordnet sind, weitergeleitet. Die unten liegende Stahlbetonkonstruktion wird durch ein klares Lastabtragungssystem und gleichmäßigen Spannweiten bewusst einfach gehalten.
Das gesamte Untergeschoss wird in Beton-Massivbauweise projektiert. Eine Nutzung der massiven Zwischendecke zur Heizung/Kühlung (Betonkernaktivierung) ist somit gegeben. Der Anteil der Verglasungsfläche in der Fassade ist auf die dahinterliegende Nutzung optimiert – zur Vermeidung der sommerlichen Überwärmung wird ein außenliegender Sonnenschutz vorgesehen.
Aufgrund des zentralen Lichthofs in Kombination mit automatisch öffenbaren Fensterelementen in der Fassade ist eine ausreichend freie, natürliche Querlüftungsmöglichkeit für die nächtliche Abkühlung des Gebäudes gewährleistet – auch im Untergeschoss. Im Bereich der Büros oder auch der Workshop Area wird für die notwendige Verbindung ein Überströmelement eingesetzt. Da die Dachfläche als Aufenthaltsfläche nicht genutzt wird, kann zur Verbesserung des Mikroklimas ein extensives Gründach in Kombination mit Photovoltaik-Modulen leicht umgesetzt werden.