Unterwerk und Notleitstelle Auwiesen

Wettbewerb Arealentwicklung

öffentliche Ausschreibung
Auftraggeber: ewz Zürich

Der Baukörper definiert sich durch zwei schlanke «Stäbe», welche über ein «Gelenk» miteinander verbunden sind. In diesem Überlagerungsbereich wird die Haupterschliessung vorgesehen, von der die geschossweisen Zugänge in die Stäbe abzweigen. Der Strassentrakt bildet eine starke, viergeschossige Raumkante zum Aubruggweg und schliesst die bestehende Montagehalle in seine Kubatur ein. Darunter schiebt sich der querliegende, zweigeschossige Trakt zur Werkgasse. In ihrer Verschneidung bildet sich eine zweigeschossige Eingangshalle, welche die Gebäudeecke an der Zufahrt prägt und massgeblich zur Adressbildung des Neubaus beiträgt. An der Strassenfront bieten sich grosszügige Einblicke in Empfang und Showroom, die der Doppelfunktion als Kriseninfrastruktur und als Gebäude mit Publikumsverkehr gerecht werden. Im Inneren der Eingangshalle entstehen diverse Sichtbezüge und Quersichtverbindungen zwischen Empfang und den Büroflächen im 1. Obergeschoss. Durch das Zurückweichen der beiden unteren Geschosse wird die Zufahrt zum Gelände deutlich aufgeweitet und es entsteht ein überdachter Freibereich – sowohl innerhalb als auch außerhalb des Perimeters. Die sich zugewandten Baukörper AUB und AWI bilden eine Torsituation, die die Eingangs- und Einfahrtssituation klar ablesbar machen. Im Gegensatz dazu definiert sich das Gebäude zum Aubruggweg als städtebaulicher und räumlicher Abschluss des Areals, durch welchen zugleich die Sicherheitsanforderungen optimal erfüllt werden. Zudem kann durch die Konzentration des Bauvolumens an der Strasse, der Neubau AUB von dem angrenzenden Unterwerk abrücken. Die monolithischen Baumassen stehen nun als Solitäre frei entlang der Werkstrasse.
Der Fussabdruck des zukünftigen Gebäudes ist aufgrund bestehender Werkleitungen stark eingeschränkt. Durch die Projektierung des Neubaus AUB mit vier Geschossen können geometrische Zwang umgangen werden. Durch die Unterbringung der Haustechnik und zusätzlichen Lagerflächen in den Obergeschossen kann auf die aufwendige – und wenig raumbringende – Herstellung eines Untergeschosses verzichtet werden. Die Höhe der bestehenden Montagehalle umfasst ca. 2 ½ Geschosse. Daher wirkt sie innerhalb aller Raumkonfigurationen im Straßentrakt als Barriere und schränkt die Nutzungsflexibilität stark ein. Wir haben daher die beiden Lagerräume AR und AB südlich der Montagehalle vorgesehen. Durch die Entkopplung der Geschosshöhen von der Kriseninfrastruktur können die Raumhöhen in den Lagern flexibel vorgesehen werden.
Der Eingangsbereich bzw. das Treppenhaus fungieren als Schleuse im Gelenk zwischen den Riegeln. Geschossweise lassen sich die «Abzweiger» zu den verschiedenen Raumgruppen durch Zutrittssysteme leicht kontrollieren und können nach Bedarf differenziert geschaltet werden. Im Normalbetrieb wird der Haupteingang kontrolliert sowie der Zugang zum Bürocluster im 1. Obergeschoss (Z2). Durch die Lage der Eingangshalle über die Gebäudeecke lässt sich sowohl der öffentliche Zugang an der Strasse, als auch der eingeschränkte Zugang zum ewz-Gelände leicht bedienen. Im Krisenbetrieb wird der Zugang zum Treppenhaus zusätzlich kontrolliert und die Empfangshalle dient als Schleuse zwischen Z1 und Z3 I – weitere Unterteilungen sind über die geschossweisen Ausgänge aus dem Treppenhaus problemlos möglich. Eine Schwachstelle sehen wir in der derzeitigen Anlieferungssituation der Lager an der Strasse. Eine Kontrolle dieses Zugangs während der Anlieferung scheint uns problematisch. Daher haben wir die Anlieferung (bzw. den Zugang zu den Lagern für externe ewz-Mitarbeiter) von Süden und innerhalb des neu geschaffenen Perimeters projektiert. Entlang der südlichen Fahrspur werden die Parkplätze für ewz-Fahrzeuge angeordnet. Ausserhalb des Perimeters werden gegenüber den öffentlichen Parkplätzen vorgesehen. Kleinere Parkplatzgruppen können in Nähe der Eingänge dezentral auf dem Gelände untergebracht werden.
Eine reibungslose Umstellung von Normalbetrieb auf Krisenbetrieb setzt eine konstruktive Flexibilität im Sinne weitgehender Entflechtung statischer und haustechnischer Abhängigkeiten voraus. Durch die geringen Trakttiefen können die Grundrisse stützenfrei und somit nachhaltig und disponibel gestaltet werden. Durch den Einsatz vorfabrizierter Rippenplatten können die Geschossdecken von Aussenwand zu Aussenwand gespannt werden. So wird auch die stützenfreie Überbauung der bestehenden Montagehalle möglich. Im Theoriebereich werden die Trennwände als Systemtrennwände konzipiert. Im Krisenfall können diese einfach und sauber versetzen werden – so können beispielsweise die Raumbegrenzungen der Räume Theorie 1 und Theorie 2 im Krisenfall demontiert werden, und zur Unterteilung des Theorieraums 4 direkt weiterverwendet werden. Zudem wird ein Doppelboden auf sämtlichen Geschossen berücksichtigt, um auch die notwendige Infrastruktur schnell und ohne Aufwand bereitstellen zu können.
Ein metallener Vorhang legt sich über das kubische Gebäude und lässt es monolithisch erscheinen. Der Vorhang kaschiert untergeordnete Öffnungen und akzentuiert die im Krisenfall wichtigen Funktionen. Öffnungen beschränken sich auf die Süd-, West- und Nordfassade und blicken unter dem erhobenen Vorhang hervor. Punktuell angeordnete Perforationen ermöglichen zusätzliche Durchblicke. Die neue Gebäudehülle aus grossformatigen, gefalteten und feuerverzinkten Stahlblechen unterstreicht den raueren, industriellen Charakter des Gebiets und verleiht der Fassade dennoch ein lebendiges Erscheinungsbild. Die bestehende Trapezblechfassade sowie die bestehenden Dämmplatten aus den 70er Jahren werden zurückgebaut – stehen bleibt der Betonskelettbau sowie die Ausfachungen aus Kalksandstein. Situativ wird nach statischen oder brandschutztechnischen Anforderungen die Ausfachung ergänzt. Zur Aussteifung des gesamten Gebäudes benötigen einige Felder eine Ausfachung aus Ortbeton, andere können mit Leichtbetonfertigteilen geschlossen oder der bestehende Kalksandstein ergänzt werden. Vorgesetzt wird eine hinterlüftete Fassade bestehend aus einer nicht brennbaren Dämmung der Klasse RF1, die dem Minergie eco Standard entspricht, und einer Metallfassade aus gekantetem, feuerverzinktem Blech. Das Dach wird neu gedämmt und erhält eine extensive Dachbegrünung. Es muss zudem bauphysikalisch geprüft werden, ob ein Ersatz für die Oberlichter notwendig ist. Die Fenster und Tore werden durch Elemente mit heutigem technischem Standard ersetzt. Auf Grund der Nähe zur Schaltanlage ist in Abklärung mit dem ESTI mit einer erhöhten Brandschutzanforderung für die Ost- und Teile der Nordfassade zu rechnen (siehe EN61936-1). Die Fassadenabschnitte mit dem Anspruch eines Feuerwiderstands werden geschlossen – die Ausfachungen aus Beton, Leichbetonfertigteilen oder ergänztem Kalksandsteinmauerwerk kann jeweils einen Feuerwiderstand bis zu 90 Minuten erreichen. Auf Grund der direkt angrenzenden Schaltanlage im Osten, ist die Herstellung eines Schutzzaun zu den entsprechenden Anlageteilen unverzichtbar. Um Abschaltungen von Anlageteilen möglichst kurz zu halten, wird ein hoher Grad an Vorfertigung berücksichtigt und auf kleinteilige Bauteile verzichtet. An der Ostseite ist der verbleibende Arbeitsraum für die Fassadenmontage gering, so dass die Ausfachung von innen gemacht werden kann.
Die Dilatationsfuge trennt beide Gebäudeteile, sodass im Erdbebenfall mit einem Aufeinanderprallen zu rechnen ist. Aus diesem Grund werden beide Gebäudeteile durch eine mechanische Verbindung der Fuge und einen Stahlrahmen im Bereich des Treppenhauses aneinandergekoppelt. Der Stahlrahmen befindet sich innenseitig auf der südlichen Fassade um das Fassadenbild nicht zu verändern. Der Gebäudeteil im Westen wird mit zusätzlichen Stahlbetonwänden unter Berücksichtigung der bereits vorhandenen Stahlbetonwände ausgesteift. An diesen „Kern“ wird der östliche Gebäudeteil angeschlossen. Die Lage der vorgefertigten Porenbetonplatten (Siporex) des östlichen Gebäudeteils ist durch eine Verbindung mit den Stahlträgern zu sichern. Die Deckenscheibe wird durch einen ergänzten K-Verband gebildet, welcher im Süden über einen hinter der Fassade angeordneten Stahlrahmen Lasten ableitet. Im Norden sorgen die neu erstellten Wandscheiben in den Achsen 5, M und 9 für die Lastabtragung in das Fundament. Der Gebäudeteil im Westen wird mit zwei zusätzlichen Stahlbetonwänden im Norden ausgesteift. Im Erdgeschoss werden die Wandscheiben in Stahlbeton sowie der Stahlrahmen aus dem Obergeschoss fortgeführt. Zwei der Stahlbetonwände sind bereits bestehend. Im unterkellerten Bereich im Westen wird nur eine Wandscheibe im Norden neu erstellt. Die zwei übrigen Stahlbetonwände sind bereits bestehend.