NMS und SMS Satteins

Wettbewerb Umbau und Erweiterung

geladener Wettbewerb
Auftraggeber: Gemeinde Satteins
Nettonutzfläche: 8056 m²

An der westlichen Grenze der Siedlungsstruktur der Gemeinde Satteins befindet sich die Neue Mittelschule | Neue Sportmittelschule. Zwei große Volumen mit einem schmalen zweigeschossigen Verbindungsbau befinden sich auf dem Areal. Von Süden gesehen ist der gesamte Gebäudekomplex ein Geschoss höher, gegen Norden steigt das Gelände an und das Volumen verringert sich um ein Geschoss. Der neue Erweiterungsbau vervollständigt den bestehenden Zwischenbau. In der Aufsicht sind drei ineinander verschobene Rechtecke erkennbar. Durch das Verdichten der bestehenden Strukturen entsteht eine klare städtebauliche Haltung, diese fügt sich wie selbstverständlich in die bisherige Situation ein. Die unterschiedlichen Volumina stehen stark als gemeinsames Ensemble zusammen. Durch die städtebauliche Setzung werden die Außenanlagen kaum tangiert.
So klar der bestehende Schultrakt im Inneren bisher formuliert ist, so unklar werden die räumlichen Strukturen im Verbindungsbau und im anschließenden Hallentrakt. Der Entwurf konzentriert sich darauf, die bestehenden Vorzüge beizubehalten und durch partielle Eingriffe die innere Organisation zu vereinfachen. Alle Anpassungen im Bestand und der Erweiterungsbau führen zu einem geordneten Ganzen. Wie ein perfekt passendes Puzzlestück fügt sich der Erweiterungsbau in den Bestand ein. Nicht nur städtebaulich wird diese selbstverständliche Haltung wieder gespiegelt, auch aus Sicht der Nutzungen, werden genau dort Flächen generiert, wo sie benötigt werden. Das Zentrum des gesamten Schulareals wird gestärkt und bekommt eine klare Identität. Folgende Maßnahmen bringen das Schulareal wie ein Uhrwerk zum Laufen: Als erste Maßnahme wird ein großzügiger Eingangsbereich geschaffen, der der NMS und SMS zu einer starken Adresse verhilft. Der zentral gelegene Eingangsbereich dient als flexibler Raum zur Orientierung und Verteilung der Nutzer, aber auch für diverse Veranstaltungen (Empfang, Ausstellung, etc.) Die dominierenden Elemente im Eingangsbereich sind die breite Eingangsfront, der natürliche Lichteinfall über den angrenzenden, raumhoch verglasten Innenhof, die offene Treppe ins Untergeschoss zum Mehrzwecksaal, die direkten Zugänge in die verschiedenen Schulhaustrakte und die Nähe zur Essensausgabe. Die zweite Maßnahme ist die geschickte Unterbringung des geforderten Raumprogramms: Die Erweiterung im Zentrum führt zu kurzen Wegen. Die unterschiedlichen Nutzungen werden gebündelt, es gibt klar strukturierte Bereiche, die maßgeblich zur einfachen Orientierung beitragen. Beispielsweise sind im EG des Erweiterungsbaus alle Verwaltungsräumlichkeiten und im UG alle Sonderräume der Schule integriert. Die dritte Maßnahme ist die effiziente Gestaltung des bestehenden Klassentrakts. Die Gruppenräume werden zwischen den bestehenden Klassenräumen betrieblich ideal platziert. Sie werden mittels einer Glastrennwand zum zentralen Treppenhaus hin abgegrenzt und dienen zusätzlich als Lichtquelle für den Kern. Um den Bestandsschultrakt brandschutztechnisch auf aktuelle Normen anzupassen, wird die Haupttreppe durch die Ergänzung von Rauchabschlüssen in ein sicheres Treppenhaus gem. OIB-RL2 aufgewertet. Zur Umsetzung einer barrierefreien Erschließung erhält das Treppenhaus zudem mittig einen Aufzug. Die Orientierung der Treppe wird ebenfalls neu ausgerichtet, damit die Bewegungsabläufe reibungslos funktionieren. Durch die Schaffung neuer räumlicher Strukturen im Erdgeschoss des Schultrakts, wird Platz für den neuen Mittagstisch geschaffen. Dieser besticht durch seine zentrale Lage, kurze Anlieferungswege und der hohen räumlichen Qualität mit viel Licht und Ausblick in Richtung Süden. Eine weitere bauliche Maßnahme findet im Hallentrakt statt. Hier wird das bisherige Hallenbad zu einer neuen Geräteturnhalle umgebaut. Der Erweiterungsbau bietet in beiden Hallengeschossen genügend Platz für zusätzlich geforderte Geräteräume. Das zweigeschossige Foyer und der begrünte Innenhof werten die Situation vor den Hallen klar auf und bieten einen repräsentativen Aufenthaltsraum für diverse Veranstaltungen.
Die drei Boxen im EG neben der großen Turnhalle beinhalten Umkleiden und Duschen. Durch deren neue Positionierung wird der Bereich zum Innenhof freigehalten. Ein neues Treppenhaus inklusive Aufzug zwischen Hallen- und Verwaltungstrakt bietet hohen Komfort, da neu alle Hallenniveaus barrierefrei von Innen erschlossen werden. Der Transport z.B. von Möblierung etc. kann problemlos über den Lift erfolgen.
Das Tageslicht nimmt im Entwurf einen besonderen Stellenwert ein. Im Schultrakt ist der dunkle Kern durch vier Glasfugen (kleine Gruppenräume) auf allen Geschossen gut belichtet. Im Kern des Erweiterungsbaus belichtet der großzügige Innenhof die anliegenden Räume. Von außen wird der Anbau durch die konsequent weiter geführte Fassadengestaltung dezent in Erscheinung treten und fügt so den Neubau und die Bestandsgebäude zu einem großen Ganzen zusammen. Im Inneren hingegen ist der neue Gebäudeteil durch einen Materialwechsel des Tragsystems klar ablesbar. Das vorhandene Stützenraster von rund 2.40m lässt die Materialwahl für die tragenden Stützen flexibel wählen. Eine Hybridlösung aus Holz und Recyclingbeton prägen den Erweiterungsbau und tragen den ökologischen Gedanken mit. Die Bodenplatte inklusive der Geschossdecke über UG werden in Recyclingbeton ausgeführt. Somit können die großen Spannweiten einfach überwunden und unnötig dicke Deckenaufbauten vermieden werden. Die Raumhöhen und Anschlüsse an das bestehende Gebäude funktionieren einwandfrei. Das Dach und alle Stützen werden in Holz ausgeführt. Da die Betonstützen im Bestand überdimensioniert breit sind, können die neuen Holzstützen in der gleichen Dimensionierung ausgeführt werden. Im Inneren erfährt das zentrale Foyer durch den großzügigen Lichthof und die Verwendung von hellem Holz eine klare Aufwertung. Durch den Einsatz von Holz wird auch im restlichen Bereich des Anbaus eine warme angenehme Atmosphäre geschaffen. Eine klare Signaletik, welche in das Materialkonzept harmonisch integriert wird, führt sowohl Schüler sowie Lehrer und Besucher durch die neue Schule.
Die baulichen Eingriffe im bestehenden Schultrakt sind auf das Wesentliche reduziert. Neben den brandschutztechnischen Anpassungen des zentralen Treppenhauses und dem zusätzlichen Fluchttreppenhaus, werden lediglich Leichtbauwände eingezogen um die neu geforderten Räume zu definieren. Diese Anpassungen können in einer relativ kurzen Bauzeit vorgenommen werden, und verhindern das Einsetzen von langzeitigen Provisorien. Der neue Lift kann im bestehenden Atrium ohne Durchbrüche der Decken- und Dachebene erstellt werden. Im Hallentrakt führt der Umbau des bestehenden Hallenbads zur Geräteturnhalle zu folgenden Eingriffen: Auf der Ebene der großen Turnhalle werden die Umkleideräume und Duschen zu Gunsten klarer Strukturen und direktem Blickbezug zum Innenhof neu organisiert. Der Erweiterungsbau wird als Neubau bzw. Anbau an den Bestand erstellt und kann daher unabhängig vom Schultrakt ausgeführt werden. Das Raster der Bestandsfassade wird auch für den Neubau übernommen, so dass dieser sich als «Puzzlestück» perfekt in die Großstruktur einfügt. Die Tragstruktur wird im Gegensatz zum Bestand nicht aus Stahlbeton sondern als Hybridlösung aus Holz und Recyclingbeton ausgeführt. Hierdurch wird einerseits den ökologischen Anforderungen Rechnung getragen, andererseits ermöglicht der Holzbau eine Vorfabrikation und eine verkürzte Bauzeit. Die Trennwände werden mehrheitlich als Leichtbaukonstruktion ausgeführt, um eine flexible Raumeinteilung des Anbaus auch für zukünftige Entwicklungen zu ermöglichen. Die zentral gelegenen Technikräume im UG bleiben bestehen und können den Schultrakt während der Umbaumaßnahmenweiterhin versorgen. Der neue Anbau wird an die bestehende Technik angeschlossen und führt dadurch zu geringen Unterhaltskosten und einer besseren Auslastung der bestehenden Heizungsanlage. Alle neuen Bauteile werden gemäß den gültigen Energievorschriften erstellt, was ebenfalls einen großen Beitrag zur Wirtschaftlichkeit leistet.
Die bereits sanierte Fassade bleibt weitestgehend erhalten, sie wird nur an den Schnittstellen zum Erweiterungsbau angepasst. Die Außenanlagen wie Laufbahn oder Sprunggrube können bestehen bleiben, so dass eine kostenintensive Neuerstellung an einem Ersatzstandort entfallen kann. Die effiziente Grundrissgestaltung und Erschließung aller Bereiche hat ebenfalls einen entscheidenden Einfluss auf eine hohe Wirtschaftlichkeit des Schulbetriebs. Die Umbau- und Anbaumaßnahmen ermöglichen einen funktionalen und zeitgemäßen Schulbetrieb, welcher den Anforderungen für die kommenden 50 Jahre gerecht wird.
Die Erweiterung kann nahtlos über den bestehenden Bau aufgeschlossen werden. Da die Technikräume zentral im UG gesammelt am selben Ort situiert sind, bleiben die Werkleitungseinführungen wie bisher.
Ziel ist es eine zentrale Wärmeerzeugung für den gesamten Gebäudekomplex zu haben. Die bestehenden Technikräume im UG bleiben erhalten. Der neue Anbau wird an die bestehende Haustechnik angeschlossen, sofern die Leistung des bestehenden Gasheizungskessels dies erlaubt. Das vereinfacht den Unterhalt und steigert die Effizienz der Anlage, zudem müssen keine weiteren Technikflächen für den Erweiterungsbau generiert werden. Eine Modernisierung der bestehenden Anlage für die ganze Schule kann damit zu einem späteren Zeitpunkt einfach vorgenommen werden. Durch die neu erstellte PV Anlage von ca. 420m2 auf dem Flachdach des Klassentrakts, wird der Bedarf an erneuerbaren Energien abgedeckt. Die NMS | SMS Satteins wird einen ökologisch nachhaltigen Anbau nach gültigen Energievorschriften erhalten. Unter anderem werden Passivhaus-Dämmstärken für einen hohen Wärmeschutz ausgeführt, die Fenster erhalten eine Dreifachverglasung und die Lüftung wird mit einer Wärmerückgewinnung ausgerüstet. Beim Erweiterungsbau findet ein Wechsel des vorhandenen Tragsystems statt. Es wird eine Hybridlösung aus Recyclingbeton und Holz ausgeführt. Ausgewählte ökologisch zertifizierte Materialien werden auch für den Innenausbau verwendet. Zudem soll die technische Ausführung und Materialwahl dem Konzept von „Cradle to Cradle“ folgen. Der Entwurf stellt sicher, dass alle Räumlichkeiten optimal durch Tageslicht genutzt werden können. Die verglasten Gruppenräume im Klassentrakt und der helle Innenhof im Zentrum sind so angelegt, dass alle Räume lichtdurchflutet sind. Die Verschattung, vor allem der nach Süden gerichteten Räume, wird analog der bestehenden Fassade mit einem außenliegenden Sonnenschutz gelöst um eine sommerliche Überhitzung zu vermeiden.
Der neue Eingangsbereich im Zentrum der NMS | SMS Satteins dient als Verteiler für Schüler, Lehrer, Besucher und Vereinsmitglieder. Über das zweigeschossige Foyer mit Blick auf den hellen Innenhofbetreten die Schüler während der Unterrichtszeiten, als auch die Vereinsmitglieder zu Turnevents am Wochenende, die neue Schule. Zudem lässt sich der begrünte Innenhof vom Foyer im UG aus erschließen und erweitert den für Veranstaltungen zur Verfügung stehenden Bereich ins Freie. Der bisherige viergeschossige Klassentrakt bleibt weitestgehend bestehen. Es werden alle Klassen- und Gruppenräume im bestehenden Baukörper untergebracht. Über die, aus brandschutztechnischen Gründen notwendige, zusätzliche Treppe und das angepasste zentrale Treppenhaus mit integriertem Aufzug sind alle Geschoße erschlossen. Im Erdgeschoss des Volumens findet der neue Mittagstisch inklusive Essensausgabe seinen Platz. Die Essensausgabe ist so positioniert, dass diese auch bei Bedarf als Ausschank für das Foyer genutzt werden kann. Im Untergeschoss (Pausenhofgeschoss) befindet sich neben den Lagerräumen auch die neue Zentralgarderobe für alle Schüler. Die Sonderräume, wie beispielsweise Werkräume oder Zeichensaal, werden gesammelt im UG des neuen Erweiterungsbaus integriert. Des Weiteren befindet sich der gesamte Verwaltungsbereich im Erdgeschoss des Anbaus. Das Großraumbüro für alle Lehrer bietet neben dem geräumigen Platzangebot auch einen herrlichen Panoramablick auf die gegenüberliegende Gebirgskette. Die Bibliothek findet mit ihrer Orientierung zum Innenhof einen ruhigen und dennoch zentralen Ort. Der Hallentrakt verfügt neu über drei Hallen, die bestehende große Turnhalle im EG, den Mehrzwecksaal im UG, sowie die angeschlossene neue Geräteturnhalle (ehemaliges Hallenbad). Zudem erhält der Hallentrakt ein neues Treppenhaus inklusive Aufzug, welches nicht nur den Transport von Tischen, Stühlen usw. vereinfacht, sondern auch alle Hallenniveaus von Innen behindertengerecht erschließt. Über das Treppenhaus gelangt man ebenfalls zu den Außenanlagen und schafft somit einen Zugang für externe Vereine. Die Turnhalle im EG bietet durch die Verkleinerung der Tribüne die gewünschte erweiterte Sportfläche. Die Umkleiden, Sanitärbereiche und Lagerflächen werden in drei zur Halle angrenzenden Boxen unter der Tribüne untergebracht. Der Mehrzwecksaal erhält neben dem zum Innenhof orientierten Foyer einen weiteren Zugang von Innen. Dieser Zugang entspannt die bisher beengte Situation zum Veranstaltungssaal.
Das Brandschutzkonzept basiert auf den aktuellen OIB Richtlinien. Die TRVB 130 ist nicht mehr gültig und wurde nicht berücksichtigt. Insgesamt beinhaltet die neue Schule drei Fluchttreppenhäuser. Zwei davon befinden sich im viergeschossigen Schultrakt, das Dritte im südlichen Bereich zwischen Verwaltungs- und Hallentrakt. Die Haupttreppe im Klassentrakt muss einen eigenen Brandabschnitt bilden, dies wird mittels einer Brandschutzverglasung gelöst. Der Mehrzwecksaal und die neue Geräteturnhalle liegen in einem gemeinsamen Brandabschnitt und werden unter anderem über neu angelegte Ausgänge direkt nach draußen entfluchtet. Die obere Turnhalle ist ein Brandabschnitt und wird über vier Ausgänge zum Fluchttreppenhaus TRH3 und über den Brandabschnitt Foyer (BA FOY) nach draußen entfluchtet. Der Verwaltungstrakt im EG wird zu einem Brandabschnitt zusammengefasst und verfügt über zwei unabhängige Fluchtrichtungen. Räume mit besonderen Anforderungen, wie der Physiksaal, die Werkräume, die Zentralgarderoben oder die Technikräume sind je ein Brandabschnitt. Die Klassengeschosse bilden je einen Brandabschnitt und werden über die beiden Fluchttreppenhäuser TRH 2 (über das EG) und TRH 1 über das UG (Pausenhofgeschoss) entfluchtet. Die maximale Fluchtweglänge von 40m ist überall eingehalten. Die maximalen Fluchtwegbreiten sind aus der Grafik ersichtlich und ermöglichen die geforderte Personenanzahl aus dem Gebäude zu entfluchten.