Neue Mittelschule Spielmanngasse Wien

Wettbewerb Schulerweiterung

Realisierungswettbewerb, Anerkennung
Auftraggeber: Stadt Wien, Magistratsabteilung 19
Nettonutzfläche: 6.900 m²
Visualisierung: k18

Die NMS Spielmanngasse markiert als kompakter viergeschossiger Baukörper die nordöstliche Grundstücksecke. Das Gebäude gliedert sich in zwei gleichwertige Volumina, die – leicht zueinander verrückt – die Freiflächen auf natürliche Art zonieren. An der nordöstlichen Ecke entsteht ein gefasster Vorplatz, der den Bewegungsfluss von der Spielmanngasse wie selbstverständlich in das Gebäude hineinleitet. Zwischen dem Neubau und der bestehenden Volksschule spannt sich ein zusammenhängender Bewegungs‐, Spiel‐, Ruhe‐ und Lernbereich auf. Durch vier «ausgebissene» Ecken entsteht eine Skulptur mit einem hohen Widererkennungswert. Die offenen Ecken schaffen Raum für die den Clustern direkt zugeordneten Freibereiche und wirken auch auf Distanz als sichtbares Identifikationsmerkmal und Orientierungshilfe.
Das Gebäude gliedert sich in drei einfache Bausteine – Aula‐/Kreativbereich, Turnsaalbereich, Bildungscluster, die um eine massive, zentrale Erschließungsachse gruppiert sind. Die Haupterschließung erfolgt über einen zentralen, breiten einläufigen Treppenlauf der sämtliche Geschosse miteinander verbindet. Der Treppenraum gleicht einer Lichtkanone, welche natürliches Licht bis in den zweigeschossigen Aulabereich hineinleitet. Durch die beiden kompakten Fluchtstiegenhäuser kann der Haupterschließungsbereich von Brandschutzanforderungen freigehalten werden. Die Aula erstreckt sich vom Eingang‐ und Windfangbereich durch die gesamte Gebäudetiefe und verbindet die nördlichen und südlichen Freiräume miteinander. Der Aufgang zu den Bildungsclustern erfolgt im zentralen zweigeschossigen Bereich, dem Herzstück des Gebäudes, in dem sich Aula und Kreativbereiche verbinden. Die Normturnhallen befinden sich im Erdgeschoss und gruppieren sich um eine Mittelzone mit Garderoben (1.UG und 1.OG) und Geräteräumen. Beide Turnsäle werden über die Längsseite natürlich belichtet und sind durch die Lage im Erdgeschoss grundsätzlich leicht veranstaltungsfähig umzusetzen. Der externe Zugang wird über den Windfang und das anliegende nordseitige Fluchtstiegenhaus gelöst. Durch eine mobile Abtrennung der zu den Obergeschossen führenden Hauptstiege, werden die Turnhallen auch inkl. Aula im Erdgeschoss separat nutzbar. Die Bildungscluster befinden sich im 2. und 3. Obergeschoss. In jedem Cluster gruppieren sich je 2 Bildungsräume zu einem Paar und um eine gemeinsame Vorzone die in direktem Kontakt zur zentralen Mufu‐Fläche steht. Die Paare besetzen alle vier Himmelsrichtungen wobei sämtliche Bildungsräume zweiseitig über Eck belichtet werden. Die Typologie der Cluster bleibt dabei identisch. Die jeweils übereinanderliegenden Cluster sind im Sinne einer effizienten Lösung weitgehend deckungsgleich. Die Variabilität entsteht ausschließlich durch die Anordnung der Freibereiche.
Zeitgemäße Schulformen beziehen stark den Freiraum mit ein. Daher folgt das Gesamtkonzept auch den Prinzipien eines nutzungsoffenen Schulfreiraums mit Garteninseln. Der einladende Vorplatz verknüpft sich mit der Spielmanngasse, mit darin eingelagerten Fahrrad‐ und Rollerabstellplätzen. Große Sitzbänke dienen als informelle Sammelorte des offenen Portalraums vor der Schule. Am Dach bieten Freiterrassen ausreichend Platz für Freiklassen als gebäudenahe Lern‐ und Erholungsräume. Im Schulgarten eröffnet sich ein freier Platz für Schulfeste und Bewegung. Die Garteninseln docken direkt daran an. Sie bieten unterschiedliche Funktionen und Themen und erzeugen dadurch Mikro‐Identitäten und Mikro‐Räume. Durch ihre Anlagerung entsteht ein vielfältig nutzbarer Raum mit kleinen Teilräumen, Stimulatoren bzw. Freiraummagneten. Für den Unterricht bieten sich variable Andockräume, die teils geschlossener, teils offener in der frei bespielbaren Platzfläche liegen. Das Ziel ist es, Treff‐ und Nutzungsorte zu generieren. Es entsteht ein Vokabular der Freiraumnutzung, das von den Kindern gelesen und genutzt wird.
Ziel ist es durch ein effizientes und durchdachtes Tragsystem den ambitionierten Bauzeitplan einzuhalten. So setzt der Entwurf auf eine Kombination aus Massivbau und Holzbauweise mit einem hohen Vorfertigungsgrad. Der Turnsaaltrakt und die daran angelehnte vertikale Erschließungsschiene werden als Massivbau konzipiert – die Turnsaalnebenräume bilden mit der Erschließungsschiene eine Art „T‐Stück“, welches als Aussteifung für das gesamte Gebäude dient. Die übrigen Gebäudeteile werden in Holzbauweise erstellt und docken an die massive Basis an. Da die Turnsäle komplett überbaut werden, ist die Deckenkonstruktion in diesem Bereich als Lastwechselplatte in Form einer Stahlbetonrippenkonstruktion geplant. Der über die Geschosse durchgehende Systemraster ermöglicht eine klare Lastableitung und somit eine effiziente Tragstruktur für die gewählte Holztragkonstruktion. Die Größe und Konfiguration der Baukörper erfüllen alle wesentlichen Parameter für den Einsatz von Holz ohne erhöhte brandschutztechnische Erschwernisse. Für einen optimalen Einsatz der Ressourcen sind die Außenwände als Holzständersystem angedacht. Die Holzständerbauweise ermöglicht einen hohen Dämmstandard bei geringer Wandstärke. Für Decken und das Flachdach werden flächige Massivholzplatten eingesetzt. Die Massivholzplatten können in den Klassenräumen mit sichtbarer Holzoberfläche ausgeführt werden und machen den Einsatz von Holz spürbar. Das gewählte Deckensystem ermöglicht schlanke Decken. Die schalltechnischen Qualitätsanforderungen an die Trenndecken zwischen unterschiedlichen Klasseneinheiten werden über den Fußbodenaufbau sichergestellt. Lastableitende Bauteile in den Klasseneinheiten werden unter dem Aspekt einer flexiblen Nutzung und einer nachhaltigen Gesamtlösung weitestgehend in Form von tragenden Stützen und lastabtragenden Wänden im Bereich der Installationsschächte gelöst. Durch die einfache klare Tragstruktur, den intelligenten Einsatz der Materialen Holz und Beton sowie die kompakten Baukörper wird eine wirtschaftliche Lösung garantiert. Die Gebäudehülle – Außenwände und Dach – sind als vorgefertigte gedämmte Holzelemente geplant, dies wirkt sehr positiv auf die Ökobilanz des Gebäudes aus. Bei allen Stahlbetonbauteilen ist der Einsatz von „ÖkoBeton“ geplant. Durch diesen Werkstoff wird durch die Reduktion von CO2 – Emissionen ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Neben der Verwendung von ökologischen Baustoffen (ÖkoBeton, Holzkonstruktionen) kommt es durch den Einsatz von vorgefertigten Konstruktionselementen (Wand‐/Decke), vorgefertigte Dach‐ und Fassadenelemente, neben einer optimierten Bauzeit auch zu einer Reduktion des Baustellenverkehrs und es wird ein weiterer Beitrag zum Umweltschutz geleistet.
Durch die optimierte Gestaltung der thermischen Gebäudehülle werden Energieverluste bestmöglich reduziert, der Endenergiebedarf kann dadurch fast zur Gänze durch erneuerbare Energien abgedeckt werden. Die Gebäudehülle wird in einem Optimierungsprozess so ausgelegt, dass Bau‐ und Energiekosten aufeinander abgestimmt sind. Dies bedeutet, dass Energiekosten ohne überhöhte Baukosten auf lange Sicht gespart werden können. Die Klassenräume werden zur Absenkung des CO2 Gehalts und zur Minimierung des Heizwärmebedarfs mit einer eigenen Be‐ und Entlüftungsanlage mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung versehen. Zusätzlich ist eine natürliche Fensterlüftung möglich. Die Klassenräume sind so angeordnet, dass über 2 Fassadenebenen gelüftet werden kann. Des Weiteren wird im Sommer über eine automatische Steuerung von Fensterelementen, öffenbaren Oberlichten bzw. Überströmöffnungen und einer Horizontalverglasung im Foyerbereich eine effektive Quer‐ und Nachtlüftung über den offenen Foyerbereich ermöglicht. Hierbei wird der thermische Auftrieb ausgenutzt, aufsteigende erwärmte Luft kann über die öffenbare Dachverglasung abziehen. Durch die Reduktion der solaren Einträge im Sommer mittels automatischer, außenliegender Verschattung in Kombination mit der geplanten Nachtlüftung kann das Niveau der Raumtemperatur stark gesenkt werden und so eine verbesserte Sommertauglichkeit erreicht werden. Zusätzliche Maßnahmen zur Kühlung sind nicht erforderlich. Speziell durch die hochwirksame variable Außenverschattung der horizontalen Verglasung über dem Foyer, verbunden mit dem Lüftungskonzept, kann eine Überhitzung verhindert werden. Im Winter tragen die solaren Gewinne über die Horizontalverglasung im Foyer zu einer signifikanten Senkung des Heizwärmebedarfes bei. Die Horizontalverglasung wird auf die Ausnutzung solarer Gewinne im Winter hin optimiert (hochtransparente Verglasung). Im Sommer können störende solare Einträge durch die außenliegende Verschattung verhindert werden.