Jugendzentrum Arthaberbad

Wettbewerb Sanierung und Zubau

Geladener Wettbewerb
Auftraggeber: Stadt Wien, MA 19
Nettonutzfläche: 400 m²

Das bestehende Jugendzentrum im Arthaberpark trägt die Charakteristika eines Pavillons. Ins Auge fällt sogleich die starke Symmetrie des ehemaligen Freibadgebäudes, welche durch den zentralen Hochpunkt im Dach verstärkt wird. Aufgrund der starken Nutzungsfrequenz soll das derzeitige räumliche Angebote um 200m² auf insgesamt 400m² erhöht werden. Um die notwendigen Flächen zur Verfügung stellen zu können, muss das bestehende Gebäudevolumen demnach circa verdoppelt werden. Unser Ziel ist es – trotz der erheblichen Vergrößerung der Gesamtkubatur – die Symmetrie und die Charakteristika des Pavillons zu erhalten und das bestehende Gebäude durch zurückhaltende Eingriffe zu erweitern. Aufgrund des beschränkten Budgets gilt es zudem aufwendige Eingriffe in die Gebäudehülle, das bestehende Tragwerk und insbesondere die Dachgeometrie zu vermeiden.
Unser Entwurf sieht eine massive, eingeschossige „Spange“ um das Gebäude vor, welche die schlecht verwertbaren ost- und westseitigen Abstandsflächen ausnutzt und die Erdgeschossfunktionen im Bestand sinnvoll ergänzt. Der prägende bestehende Dachaufbau an der Südfassade wird abgetragen und formal durch einen massiven, liegenden Körper abgelöst. Dieser ruht freitragend in der südlichen Dachfläche auf einem statisch wirksamen Kern.
Das Büro wird im Erdgeschoss umgesetzt und dem Eingangsbereich direkt zugeordnet. Von hier aus sind die Hauptnutzflächen leicht erreichbar und die Freianlagen gut einsehbar. Die zentrale Mehrzweckfläche im Erdgeschoss bleibt erhalten und wird südseitig auf 150m² erweitert. Der zusätzliche Mehrzweckraum im Erdgeschoss wird analog der Studie auf der Westseite angeordnet. Um aufwendige Arbeiten am Kanal zu vermeiden, bleiben die bestehenden Sanitärbereiche sinngemäß erhalten und werden nur erneuert. Die zusätzlich gewünschte Nasszelle für die Mitarbeiter wird an das bestehende Herren-WC angegliedert. Die notwendigen Lagerflächen werden aufgeteilt: Die Mehrzweckräume im Erdgeschoss verfügen über direkt begehbare Abstellräume. Ein großzügiger Lagerraum ist im Obergeschoss angeordnet. Das Obergeschoss ruht auf dem neu erstellten Kern, in dem Küche, Technik und ein Abstellraum untergebracht sind. An seiner Außenseite führt eine einläufige Treppe inkl. Treppenlift nach oben. Von hier erschließt ein kurzes Podest das zuvor genannte Lager sowie einen weiteren großen Mehrzweckraum, welcher den Park und die südseitige Sportfläche überblickt.
Der auskragende Baukörper des Obergeschosses bildet ein Vordach vor den großen, südseitigen Glasflächen zum Freibereich des Arthaberbads und schafft somit eine teilweise beschattete Terrasse. Entlang der Fassade wird eine massive Sitzbank unter dem gedeckten Bereich vorgesehen. Diese Sitzgelegenheit kann im Sommer durch mobile Möbel ergänzt werden. Das Sportfeld wird mit einem Fallschutzbelag ausgestattet, die befestigten Weg- und Terrassenflächen erneuert. Das Gartentor mit Zugang zum Arthaberpark wird nach Süden in die Zaunanlage integriert. Ein Abstellplatz für die Mülltonnen wird nordseitig als „Tasche“ in die Grünfläche integriert.
Der Zubau bleibt statisch weitgehend unabhängig vom Bestand und fügt sich in die Dachgeometrie wie selbstverständlich ein. Die Außenwände bleiben zu großen Teilen erhalten. Zur Herstellung der Spange im Erdgeschoss wird eine lastabtragende Ebene vor der Außenwand angeordnet. Die Erweiterung der zentralen Mehrzweckfläche nach Süden erfolgt über die bestehenden großen Fensteröffnungen. Das Obergeschoss kann statisch unabhängig vom Bestandstragwerk umgesetzt werden. Hierfür wird der bestehende „Turm“ abgebrochen und an gleicher Stelle ein massiver Betonkern hergestellt, über den die Lasten aus dem Obergeschoss abgetragen werden.
Die neuen Gebäudeteile werden in Massivbauweise und mit einer Sichtbetonfassade entwickelt. Die Spange fasst das Bestandsgebäude dreiseitig schützend ein und bietet eine unempfindliche und langlebige Oberfläche, die auch hohen mechanischen Belastungen standhält. Die Fassade wird durch den Wechsel von großflächig offenen und geschlossenen Bereichen gegliedert. Kleine Unregelmäßigkeiten in der Anordnung der Fensterflächen brechen sensibel die starke Gebäudesymmetrie. Die bestehenden Fassaden und das Dach werden saniert, jedoch bleibt das Bestandsgebäude visuell weiterhin lesbar. Das vor 12 Jahren in einem partizipativen Prozess umgestaltete Arthaberbad bleibt unverfälscht und wird durch die zurückhaltenden räumlichen Ergänzungen wieder zu einer Plattform für Aneignung und Mitgestaltung.