infrastrukturbau-feuerwehrdepot und werkhof kilchberg-01

Feuerwehrdepot und Werkhof Kilchberg

Wettbewerb Generalsanierung

selektives Vergabeverfahren
Auftraggeber: Gemeinde Kilchberg
Nettonutzfläche: 2535 m²
Visualisierung: k18

Das Bestandsgebäude liegt in einer Umgebung, welche von unterschiedlichen Nutzungen, wie z.B. Schulbauten, Wohnungsbauten und freistehende Mehrfamilienhausstrukturen geprägt ist. Geschickt wurde damals das große Volumen in die Landschaft platziert und passt sich der Körnung der Umgebungsgebäude an, ohne Deplatziert zu wirken. Ein Großteil des Bestandsgebäudes ist aufgrund des natürlichen Geländeverlaufs im Städtebau wenig sichtbar, da sich das Werkhof- und Feuerwehrgebäude als ins Terrain integriertes Sockelgeschoss nur an der Straßenseite sichtbar macht. Das 3-geschossige aufgesetzte Wohnhaus tritt als Solitär in Erscheinung und nimmt Bezug zur umliegenden Bestandsbebauung. Durch die betrieblichen Anforderungen von Werkhof und Feuerwehr ist die Anordnung aller wesentlichen Funktionen auf einer Ebene, in einem Sockelgeschoss, sinnvoll. Ziel war es daher, mit möglichst wenig baulichen Ergänzungsmaßnahmen das Bestandsgebäude betrieblich zu optimieren und optisch durch eine einheitliche Fassadengestaltung aufzuwerten. Unsere Aufgabe sehen wir in der Adaptierung des in der Machbarkeitsstudie erarbeiteten Projektansatzes hinsichtlich des definierten Baumschutz-Perimeters für Mammutbaum, Eibe und Zypressengruppe. In der Machbarkeitsstudie wurden die getrennten Sockelbauten (Haupt- und Nebenbau) durch einen Ergänzungsbau funktional miteinander verknüpft. Gleichzeitig aktiviert der Ergänzungsbau die 3. Hoffassade (ehemals Stützwand) und schafft Platz für zusätzliche Garagenausfahrten. Positiv bewerten wir vor allen Dingen die funktionale Trennung der Verkehrsströme von ankommenden Feuerwehrmännern und herausfahrenden Fahrzeugen, sowie die verkehrstechnische richtige Lage der 9 Fahrspuren für die Feuerwehr, die einen schnellstmöglichen Einsatz garantieren.
Nahe an der Machbarkeitsstudie, jedoch gezwungen durch die Begrenzung des Baumschutzperimeters im Norden rutscht der Ergänzungsbau, bestehend aus Fahrzeughalle und Garderobentrakt um eine Torachse in Richtung Innenhof. Der verkleinerte Innenhof ist ausreichend dimensioniert für eine gute Manövrierbarkeit und Wendemöglichkeit. So entstehen 2 Hallen für die Feuerwehr: Halle 1 mit den Fahrzeugbahnen 1 bis 4 (Achsabstand 4.2m/ Länge 15m) mit angelagerten Flächen für die Schlauchpflege und Stiefelreinigung sowie Lagerflächen für Material im Hauptbau und Halle 2 mit den Fahrzeugbahnen 5 bis 9 (Achsabstand 3.5m/ Länge 14.50m) im Ergänzungsbau. Dabei wird der Baumschutzperimeter im Bereich der Eibe minimal unterschritten, hier werden zusätzliche Baumschutzmaßnahmen notwendig. Um den Baumschutzperimeter im Bereich des Mammutbaumes einzuhalten wurde die Spur 5 auf 12m verkürzt (Achse mit kleinsten Autos). Die Kommandozentrale sitzt als „Hirn“ der Zentrale zwischen den beiden Fahrzeughallen bei gleichzeitigem Sichtkontakt zum Innenhof. Anders als in der Machbarkeitsstudie gelangen die Feuerwehrleute über den Garderobentrakt in die Halle 5-9 und über einen Verbindungsgang in die Halle 1-4. Es besteht jedoch die Möglichkeit über einen Short Cut, gedeckter Ausgang neben der Kommandozentrale, schneller in die Halle 1-4 zu gelangen und die Zeit zum Ausrücken zu verkürzen. Eine neue Treppe verbindet die Räume im Erdgeschoss mit den ausgelagerten Räumen (Büro Materialwart und Stabsoffizier) im 1. Wohnungsgeschoss. Diese wird als sicheres Fluchttreppenhaus mit Ausgang ins Freie ausgebildet und ermöglicht den neuen Schulungs- und Aufenthaltsbereich innerhalb von 35m zu entflüchten. Die Situierung des Werkhofes inkl. gemeinsam genutzter Waschplatz wird in leicht abgeänderter Form aus der Machbarkeitsstudie übernommen. Dabei werden die Fahrzeuge nebeneinander aufgereiht und dahinter die Pflüge und Anhänger etc. positioniert, so dass möglichst gleichzeitig viele Fahrzeuge ausrücken können. Bei Bedarf könnte der ehemalige Tankraum mit seinen 80m² als Lagerfläche bzw. Fahrzeughalle für Streuer etc. aktiviert werden und mittels Hebebühne an den Innenhof angeschlossen werden. Der Mitarbeiterbereich des Werkhofes wird im 1. Wohngeschoss untergebracht. Erschlossen wird dieser über die Bestandstreppe. Die 5 Maisonettwohnungen im 2. und 3. Obergeschoss werden baurechtlich optimiert und thermisch saniert. Die Grundstruktur bleibt dabei unverändert. Da die Räumlichkeiten nicht mehr den aktuellen Normen entsprechen, werden durch offene Küchen und Zusammenlegung einzelner Räume die Wohnungen auf aktuelle Standards angepasst. Die Lage der vorhandenen Steigleitungen bleibt hierbei unverändert und wirkt sich so positiv auf die Wirtschaftlichkeit der technischen Gebäudeausrüstung aus.
Im Sinne eines starken, wertigen Gesamteindruckes empfehlen wir ein nutzungsübergreifendes Fassadenkonzept. Für die Erreichung der Einhaltung des Energiegesetzes muss zunächst der Dämmperimeter der Gesamtanlage im Rahmen eines Energiekonzeptes definiert werden. Grundsätzlich werden die vorhandenen gut zugänglichen Fassadenbereiche von außen neu gedämmt. Da wir den starken Ausdruck der Betonfassade beibehalten wollen, schlagen wir als vorgehängtes Fassadenmaterial großformatige Platten aus Glasfaserbeton vor. Der Vorteil der Rieder-Elemente besteht in seiner nur 13mm starken Platte, so dass bereits jetzt schon geringe Raumhöhen nicht unnötig verringert werden. In der Farbgebung passen wir uns an die Umgebung an und arbeiten im Farbbereich zwischen terra und rot. Das Material spannt den Bogen von einem langlebigen und robusten Funktionsbau zum Wohnungsbau durch seine teilweise filigrane Ausformulierung und warmen Farbgebung. Wie eine Haut aus Beton wird das Material über Gebäude, Ecken und Kanten gezogen und erzeugt einen einzigartigen Materialfluss. Gleichzeitig werden Problemstellen wie zu geringe Absturzhöhen etc. kaschiert. Die vertikale Gliederung des Schottenbaus werden durch die neuen Lisenen betont und im Bereich der Fahrzeughallen durch die Rasterung der Tore aufgenommen. So werden die beiden Einheiten, Sockelgeschoss und Wohnbau, optisch noch stärker miteinander verknüpft. Die Lisenen im Obergeschoss schaffen zudem einen geschützten Arkadengang, welcher als Eingang zu den Wohnungen dient, verkleiden die unschönen Entwässerungsrohre und bilden im Bereich der Terrassen einen optischen Abschluss des Gebäudes. Mit gelochten Fassadenplatten werden die Bestandsfenster und Eingänge zu den Werkhof- und Feuerwehrräumen im 1. Obergeschoss verkleidet, so kann trotz Belichtung die Einsichtnahme von außen verringert werden und das Nebeneinander von Wohnungseingängen und Betriebsräumen verbessert werden. Das Thema der Lochung tritt zudem im Bereich der Balkontrennung und als gelochte Lichtdecke im Bereich der Vordächer Feuerwehr und Werkhof wieder auf.
Zwischen dem historischen Landschaftspark und dem Funktionsgebäude erfolgt eine klare Abgrenzung durch eine unterschiedliche Oberflächengestaltung. Im Bereich des Arkadengangs sowie der Aufenthalts- und Terrassenfläche schlagen wir rot eingefärbte Betonplatten entsprechend dem neu gewählten Fassadenmaterial vor. Dennoch erfolgt ein Bezug und somit auch Wertschätzung des historischen Gartens durch die Verzahnung mittels „erhöhter Pflanzflächen“ in Anlehnung an Hochbeete. Hochbeete sind ein typisches und auch sehr „klassisches Gartenelement“, welche sich bis in die heutige Zeit großer Beliebtheit erfreuen: Gliederung des Raumes, Schaffung von attraktiven Sitz- und Liegemöglichkeiten etc. Ein weiterer Vorteil der erhöhten Pflanztröge ist die Möglichkeit bei einem geringen Bodenaufbau eine gewisse Mächtigkeit an Boden zu erwirken, so dass auch attraktive Pflanzungen, wie z.B. Staudenpflanzen und kleinere Gehölze vorgesehen werden können. Ein perfektes Ort für eine kurze Pause mit Blick auf den Zürichsee.