Feuerwache Speising

Neubau und Generalsanierung

selektives Verfahren, 1. Rang
Auftraggeber: Stadt Wien, MA 68
Nettonutzfläche: 540 m²
Fertigstellung: 2021
Visualisierung: k18

Im Rahmen der Konzeptfindung für den Neubau und die Generalsanierung der Feuerwache Speising haben wir die Rahmenbedingungen aus Machbarkeitsstudie und Raumprogramm analysiert und bewertet. Als Ergebnis wurden vier relevante Aspekte formuliert, welche nicht nur gewisse Risiken hinsichtlich Termin- bzw. Kostensicherheit, sondern auch wesentliche Optimierungspotentiale bergen, die in unseren Vorschlag eingeflossen sind: Entfluchtung des Bestandsgebäudes in Innenhof, Dämmperimeter Bestandsgebäude, Lage der Technikräume hinsichtlich Etappierung, Durchfahrt als temporärer Stellplatz. Aufgrund dieser Punkte schlagen wir eine Neuordnung des Raumprogrammes vor, in dem die Raumgruppen hinsichtlich betrieblicher, thermischer und statischer Parameter sinnvoll organisiert, und die ungenutzten Flächen im Erdgeschoss des Hofgebäudes stärker aktiviert werden.
Die Flächen für Aufenthalt, Küche, Essen werden mit den Bereitschaftsräumen im Obergeschoss zu einem Mannschaftsgebäude gebündelt. Über das bestehende Treppenhaus ist eine reibungslose Funktionalität gegeben. Eine thermisch entkoppelte Fahrzeughalle inkl. der betrieblich angelagerten Nebenräume ersetzt die alte Feuerwache in einer kurzen zweiten Bauetappe. Die kompakte neue Halle bietet problemlos zwei vollwertige Stellplätze für Einsatzfahrzeuge und zusätzlich eine ständig nutzbare Durchfahrt für PKWs in den Hof der Anlage. Die Erschließung von Fuß- und Kraftfahrzeugverkehr wird zudem konsequent getrennt: An der städtebaulich problematischen Schnittstelle zum deutlich höheren, nordseitigen Wohngebäude rückt die Halle ab und bildet einen unbefahrenen Vorbereich zum Haupteingang. Durch die Verschiebung des Haupteingangs in die Mitte des Gebäudeensembles ist eine Entfluchtung aller Aufenthaltsräume innerhalb von 40m Gehweglänge gegeben, ohne dass zusätzliche Maßnahmen wie Rauchabschlüsse etc. getroffen werden müssen.
Halle und Mannschaftsgebäude bleiben als eigenständige Baukörper ablesbar und werden über ein „Gelenk“ miteinander verknüpft. Das eingeschossige Volumen des Neubaus wird durch die verschiedenen Höhenanforderungen der Funktionsbereiche differenziert. Als Tangente zum kompakten Hallenvolumen bildet sich eine niedrigere Nebenraumspange ab, welche gleichzeitig als Raumkante den seitlichen Zugangsbereich begrenzt und den Nutzer hinein begleitet. Ein Großteil der Gebäudehülle des Neubaus wird durch die Garagen-Falttore gegliedert. Der entstehende vertikale Rhythmus wird auf die gesamte Gebäudefront übertragen und als fassadenhohe Metallpaneele bzw. Tore interpretiert. Obwohl sich die Gebäudehülle des Neubaus aufgrund ihrer Funktionalität zwangsläufig abhebt, wird sie farblich durch ein dunkles Senfgelb auf den Farbklang der Umgebung abgestimmt.
Ein Großteil des Raumprogramms wird aufgrund der Aktivierung der Flächen im Bestand bereits innerhalb der 1. Bauetappe umgesetzt. Während dieser Zeit erfolgt die Baustellenzufahrt über die bestehende Durchfahrt in den Hof und die alte Feuerwache bleibt voll funktionstüchtig. Die 2. Bauetappe umfasst den Abbruch der alten Wache sowie den Neubau der Fahrzeughalle. Die neue Halle weist nur wenige Schnittstellen zum Mannschaftsgebäude auf, ist zudem thermisch und statisch unabhängig sowie kompakt und geometrisch simpel. Aus diesen Gründen kann der Neubau durch einen hohen Grad an Vorfertigung (Beton-Fertigteile, Hohldielendecke) zügig aufgestellt und an das fertige Mannschaftsgebäude angeschlossen werden – ganz im Sinne eines „Plug & Play“- Prinzips. Durch das vorgeschlagene Hallenlayout mit einer ständigen Durchfahrt in den Hof eröffnet sich die Möglichkeit den Betrieb über die gesamte Bauzeit aufrecht zu erhalten. So könnte während der kurzen Etappe 2 ein demontables Flugdach in Holzbauweise als provisorischer Unterstand für das Einsatzfahrzeug dienen und nach Inbetriebnahme der Halle als Außenlagerfläche oder gedeckter Sitzplatz im Garten „recycelt“ werden.