Dreifachkindergarten Dottikon

Wettbewerb Neubau

Selektives Vergabeverfahren
Auftraggeber: Gemeinde Dottikon
Nettonutzfläche: 709 m²

Unser Entwurf für den neuen Dreifachkindergarten der Gemeinde Dottikon sieht einen eingeschossigen Baukörper vor, der sich von Westen nach Osten zwischen dem bestehenden Werkhof und den Reihenhäusern aufspannt. So wird ein schmaler, befestigter Freiraum für das Ankommen im Nordwesten, und eine große, zusammenhängende Grünfläche als Lern-und Spiellandschaft im Südosten gebildet. Durch die stimmige Ausrichtung und Proportion des Neubaus entsteht ein spannungsvolles städtebauliches Ensemble, in welches sich der Kindergarten harmonisch einfügt. Kennzeichnend jedoch ist die spielerische und doch simple Dachfaltung, durch die das Gebäude einen hohen Wiedererkennungswert erhält ohne seine Umgebung zu überladen.
Die Typologie zeichnet sich grundsätzlich durch eine lineare Anordnung der drei Kindergärten mit einer klaren Ausrichtung zum südlichen Grünraum hin aus. Das mittlere Kindergartencluster wird aus der Gebäudeflucht herausgelöst und kann so – wie die beiden Cluster an den Gebäudeenden – mehrseitig belichtet werden. Gleichzeitig entsteht auf der Nordseite ein geschützter Vorplatz. Diese Verschiebung im linearen Gefüge prägt auch den Innenraum: Der zentrale Erschliessungsbereich wird durch Vor- und Rücksprünge strukturiert und bespielt und weitet sich zu einer übergeordneten Aufenthaltszone im Mittelpunkt des Gebäudes.
Im Innenraum entstehen übersichtliche und doch komplexe Raumabfolgen, die sich durch vielfältige Ausblicke und Sichtbeziehungen, Lichtstimmungen und Raumqualitäten auszeichnen. So werden neben flexiblen Grundrissen für Gruppenaktivitäten in verschiedenen Grössen, auch Raumnischen für den individuellen Rückzug geschaffen. Der visuelle Bezug zum südlichen Aussenraum, die Blickbeziehungen zwischen den Kindergärten untereinander sowie die Erfahrung von verschiedenen Raumhöhen und Niveaus sind zentrale Aspekte eines abwechslungsreichen Raumerlebnisses im Sinne der kindlichen Perspektive.
Um die Plastizität des Gebäudes zu unterstreichen wird eine zurückhaltende, fein vertikal texturierte Gebäudehülle aus naturfarbenem Welleternit projektiert. Da dieses Material sowohl für die Fassade als auch für das Dach geeignet ist, reduziert sich die äußere Figur ganz auf das sanfte Wechselspiel aus steigenden und fallenden Dachkanten. Die Öffnungen in der Gebäudehülle ordnen sich der gefalteten Dachlandschaft unter. Die Haupträume der Kindergärten bilden über die Fenster das Profil der Dachkonstruktion nach und es entsteht das Bild eines archetypischen Hauses – je nachdem mit Sattel- oder Trogdach.
Die Wand-, Decken- und Bodenflächen der Innenräume werden durch Holzoberflächen aus möglichst naturbelassener Weisstanne geprägt. Auch hier stehen die abwechslungsreichen Raumgeometrien und Lichtsituationen im Vordergrund des Gestaltungskonzepts. Die tragenden Holzdeckenelemente werden mit einem innovativen Flächenelement des Herstellers Lignatur projektiert. Die vorgefertigten Elemente kommen bereits mit integrierten Schallabsorbern und einer sichtbaren Holzakustikoberfläche auf die Baustelle und sind besonders für Schulen und Kindergärten sehr gut geeignet. Lineare Leuchten zeichnen die Textur der Akustikelemente in den Dachschrägen nach. Haupt- und Gruppenraum können durch mobile, halbhohe Möbel oder aber durch Falt- bzw. Schiebeelemente in zwei eigenständige, gut proportionierte Räume abgeteilt werden. Oberhalb der Kindergartennebenräume – Nasszelle plus Materialraum – bietet eine Galerie Platz für den individuellen Rückzug der Kinder und erzeugt spannende Blickbeziehungen in den Hauptraum und die Garderobe. Für einen gut funktionierenden Finkenbetrieb, sind die gruppeneigenen, gedeckten Freibereiche der jeweiligen Kindergartengarderobe direkt zugeordnet. Durch die komplexe, räumliche Einbindung der gedeckten Terrassen in die Gebäudekubatur sowie die fortgeführte Gestaltung mit Holzoberflächen, werden die Kindergarten-Cluster um ein «luftiges Wohnzimmer» ergänzt.
Die Zufahrt zum Kindergarten erfolgt über die Bahnhofstrasse. Eine befestigte Freifläche entlang der nordöstlichen Parzellengrenze bindet sowohl den großzügigen Vorplatz des Kindergartens, als auch die zwei zusätzlichen PKW- sowie Velostellplätze ein. Begleitet wird die Fläche auf der Fassadenseite von einer niedrigwachsende Beerenhecke mit Johannis- und Stachelbeersträuchern. Im Nordosten der Fläche löst sich der öffentliche Durchgang heraus und führt entlang einer dichten Wildhecke aus heimischen Sträuchern als Sichtschutz zu den Nachbarn durch die Parzelle. Die in die Bepflanzung integrierten Nistkästen dienen als Angebot für ruhige Aktivitäten wie Vogelbeobachtungen. Die aufgelockerte Wildheckenbepflanzen im Westen wiederum, bietet Durchblicke zum Werkhofgelände. Der große, zusammenhängende, südliche Spielbereich wird als multifunktionale Rasenfläche ausgebildet. Entlang der südlichen Grenze wird diese im Sinne eines Naturerfahrungsraums mit verschiedenen Spielinseln und Angeboten modelliert. Die bestehenden Bäume können erhalten werden und werden um Gruppenpflanzungen von einheimischer Eiche und Ahorn ergänzt.
Projektiert wird das Gebäude in Holzelementbauweise. Der Einsatz von vorgefertigten, hochgedämmten Elementen aus nachwachsenden Rohstoffen wirkt sich sehr positiv auf die Ökobilanz des Neubaus aus. Zudem trägt die verkürzte Bauzeit auch zu weniger Emissionen bei und leistet so einen weiteren Beitrag zum Umweltschutz. Aufgrund der optimalen Ausrichtung der flach geneigten Satteldächer, ist die Ausführung einer Photovoltaikanlage problemlos möglich. Durch die doppelte Faltung können die Elemente bis zu 200m² nach Süden ausgerichtete Dachfläche einnehmen, und dass sogar ohne gestalterische Abstriche in der Fassade hinnehmen zu müssen.
Die thermische Gebäudehülle wird in einem Optimierungsprozess so ausgelegt, dass Bau- und Energiekosten aufeinander abgestimmt sind. Im Vordergrund stehen Energieeffizienz und Langlebigkeit, Nachhaltigkeit und Ökologie, sowie die thermische Behaglichkeit und Gesundheit der Nutzer. Aufgrund der «über Eck»-Anordnung aller Aufenthaltsräume, und somit mindestens zweiseitiger Belichtung und Belüftung, ist es möglich auch in den Sommermonaten ein angenehmes Raumklima über die Querlüftung herzustellen. Auf eine mechanische Lüftung kann somit verzichtet werden. Ein in die Fassade integrierter Sonnenschutz schützt zusätzlich vor sommerlicher Überhitzung.
Die Dachkonstruktion besteht aus vorgefertigten Holz-Hohlkastenelementen, welche in Gebäudelängsrichtung und somit parallel zur Trauf- und Firstlinie spannen sollen. Diese Elemente sollen als Ein- und Mehrfeldträger ausgebildet werden und lasten auf den vorhandenen Holzrahmenbauwänden ab. In Bereichen von Fensterflächen bzw. Wandöffnungen erfolgt die Lastabtragung über Unterzüge aus Brettschichtholz, welche wiederum auf den Wänden bzw. Einzelstützen aus Brettschichtholz aufliegen. Hierzu werden entsprechend dem Grundriss Unterzugsachsen definiert um ein klares Tragkonzept und eine sichere Lastableitung zu gewährleisten. Die Dachelemente können, je nach Hersteller, auf der Unterseite mit einer integrierten Akustikbohrung versehen werden. Die horizontale Aussteifung erfolgt über die Ausbildung einer Dachscheibe durch die Hohlkastenelemente und über die durchgehenden Holzrahmenbauwände, welche als statische Wandscheiben ausgebildet werden.
Aufgrund der geringen Gebäudehöhe und einer leichten Tragkonstruktion aus Holz, welche die Gebäudelasten erheblich verringern, ist davon auszugehen, dass eine oberflächennahe Flachfundation möglich ist. Der Boden des Kindergartens wird dabei als tragende, durchlaufende Bodenplatte betrachtet, welche die Einwirkungen direkt in den Untergrund einleiten. Bei den Lastabtragungspunkten wie Stützen und Wände sind voraussichtlich Einzel- oder Streifenfundamente notwendig um die konzentrierten Gebäudelasten in den Baugrund einleiten zu können. Entlang der Fassaden dienen die Streifenfundamente zudem als Frostriegel. Lokale Störzonen im Baugrund können durch Materialersatz oder mittels Baumeisterpfähle überbrückt werden.
Die Kindergärten sind so konzipiert, dass die Nutzer im Brandfall entweder direkt oder über max. zwei Räume ins Freie flüchten können. So kann von aufwendigen Brandschutzmaßnahmen abgesehen werden und die zur Verfügung stehende Fläche – insbesondere der Erschliessungsraum – kann im vollen Umfang als Aufenthalts- und Spielfläche genutzt werden.