BG/BRG Gänserndorf – Konrad Lorenz Gymnasium

Wettbewerb Erweiterung und Sanierung

offener Realisierungswettbewerb
Auftraggeber: Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H.
Nettonutzfläche: 8.353 m²

Die neue Schule spannt sich zwischen den bestehenden Schulgebäuden in Form einer großen liegenden „8“ auf. Zwei Höfe strukturieren den ausgedehnten Fußabdruck des Gebäudes und gliedern die große Anzahl an Bildungsräumen in überschaubare Gruppen. Die Funktionen im Bestand und im Neubau werden in einem dezentralen Raumkonzept miteinander verknüpft. Es entsteht eine zusammenhängende Lernlandschaft mit einer starken Verzahnung von Räumen für Information, Kommunikation und Erholung. Da das Freiflächenangebot auf dem Bauplatz sehr gering ist, werden vielfältige Freiraumangebote auf unterschiedlichen Ebenen integriert, die unmittelbare Pausen an der frischen Luft ermöglichen. So wird der dazugewonnene Grünraum auf der Westseite unterhalb des ausladenden Klassentraktes mit dem Pausenhof und der Aula verknüpft. Im Geschoß darüber bietet ein der Bibliothek und den Klassen zugeordneter kontemplativer Innenhof einen Rückzugsort im Freien. Der Dachgarten ganz oben bietet Platz zum Gärtnern und Entspannen mit einem weiten Blick über das Marchfeld. Die gewählte Organisation über Split‐Level nimmt Rücksicht auf die bestehende Topografie und schafft fließende, durchlässige Raumabfolgen mit niveaugleichen Ausgängen ins Freie. Die Schulräume organisieren sich um die beiden geschützten Höfe, die viel Licht und Luft in das Innere bringen und entscheidend zur guten Übersichtlichkeit der Schule beitragen. In der Bewegung durch das Gebäude bieten sich immer wieder neue und spannende Raum‐ und Lichtsituationen mit vielfältigen Ausblicken und Quersichtbezügen. Die teilweise verglasten Trennwände zwischen Klassen und Gangflächen erzeugen Transparenz und schaffen im Kontext mit den aufgeweiteten Kommunikationszonen eine Atmosphäre des Miteinanders. Gleichzeitig bieten behagliche Nischen in den Pausenzonen auch Platz für ruhige Gespräche oder den persönlichen Rückzug.
Die multifunktionale Kommunikations‐ und Pausenfläche im Verteilergeschoss (Ebene 0) bildet eine der Kernfunktionen des Gymnasiums – sie ist Treffpunkt für SchülerInnen und LehrerInnen und lädt ein zum Sitzen und Beobachten. Sie bietet ausreichend Bewegungsraum für nasskalte Pausen oder größere Schulaufführungen und wird durch die angrenzenden Raumangebote wie Mehrzweckraum, Speisesaal mit Küche, aber auch die Bildungsräume für Musikerziehung differenziert und synergetisch bespielbar. Angrenzende Klassen und die Tagesbetreuung überblicken wie in einer Loge das Kommen und‐ Gehen. Natürlich belichtet und belüftet wird die Aula über die beiden großen „Laternen“ auf dem darüberliegenden Hof. Sie leiten angenehmes, gestreutes Licht in den Innenraum und sorgen für eine hohe Raumluftqualität. Der untere Hof wird als zentraler Pausenhof und Bewegungsraum konzipiert und bietet vielfältige Freiraumangebote für alle Altersgruppen. Durch eine Arkade entlang von Mehrzweckraum und Speisesaal gelangt man gedeckt vom zentralen Hofausgang zur witterungsgeschützten Pausenfläche, über die der Garten‐Hof mit der Spielwiese im Westen verknüpft wird. Der obere Hof auf Ebene 1 wird durch den Arbeitsraum für Lehrer, Pausenflächen mit Bibliothek und Klassen umrahmt. Die beiden Laternen zonieren die große Freifläche in kleinere, beruhigte Bereiche wie Lern‐ und Leseinseln. Durch die unmittelbare räumliche und visuelle Verbindung zum Haupteingang bietet sich der Freiraum als Erholungsraum für Personal und Lehrer, aber auch für kleinere Veranstaltungen an. In Verbindung mit Bibliothek und Kreativräumen wird der Hof zur Performance‐Fläche.
Die Räume für die Verwaltung werden im Erdgeschoss (entspricht Ebene 1) mit optimierten Raumkonstellationen neu organisiert. Die Naturwissenschaftlichen Sonderräume sowie auch die 4 Theorieräume im 2.OG des Bestandsgebäudes bleiben erhalten. Die EDV‐Räume werden im 1.OG in Richtung Norden organisiert. Auch die Werkräume auf dem Mitteltrakt der Turnhallen bleiben erhalten und werden in das Raumkonzept der Schule integriert. In den Raumkonfigurationen wurde viel Wert auf betriebliche Synergien und kurze Wegebeziehungen mit attraktiven Erschließungsräumen gelegt. So verfügen die Lehrer über einen direkten Zugang in das mittlere Schulgeschoss (Ebene 1) sowie über eine vertikale Schnellverbindung über das westliche Treppenhaus. Beim Eintreten in die Schule geht der Blick über die bestehende Treppenanlage hinweg hinaus in den Hof – die derzeitige Belichtungssituation des Eingangsbereichs kann somit trotz Zubau erhalten bleiben. Der barrierefreie Zugang erfolgt ebenfalls über den Haupteingang und am Luftraum zur Aula vorbei weiter schwellenlos in den Neubau. Der Lift nahe der offenen Haupttreppenanlage verbindet sämtliche Niveaus. Im Bereich der Werkräume wird jedoch auf eine Treppenliftlösung zurückgegriffen, da die räumlichen Vorteile einer Entkopplung deutlich überwiegen.
Der Tragstruktur basiert auf Stahlbetonstützen und Decken mit wirtschaftlichen Spannweiten. Auf massive „Trennwände“ wird im Sinne der Nachhaltigkeit und Nutzungsflexibilität möglichst verzichtet. Die Baukörper reagieren in ihrer Höhenlage optimal auf das gegebene Gelände. Das Gebäude kann somit vollständig flächig mittels durchgehender STB‐Platten gegründet werden.
Der Zubau bzw. „Zwischenbau“ tritt aufgrund der eingeschlossenen Lage im umgebenden Stadtraum wenig in Erscheinung. Die Untere Kellergasse liegt wesentlich tiefer – von hier ist kein Einblick möglich. Von der Straße hinter den Sportanlagen gesehen, staffeln sich in einiger Distanz die Quertrakte sanft den Hang hinauf. Einzig zwischen den Mehrfamilienhäusern entlang der Gärtnerstraße bieten sich immer wieder Durchblicke auf die ruhige, langgestreckte Silhouette. Besonders spannende Blicke auf die markante Gebäudefigur bieten sich aus den Klassenzimmern im Südtrakt: Wie eine lockere Schleife verbindet die Super 8 das Ensemble zu einem Ganzen.