testplanung-bebauungsstudie unter der kirche-01

Bebauungsstudie Unter der Kirche

Wohnbaustudie für Wiener Wohnen in Wien Simmering

Auftraggeber: Stadt Wien – Wiener Wohnen
ARGE illiz architektur / goya / MAGK
Grundstücksfläche: 20.120 m²
Wohnnutzfläche: 24.424 m²
Wohnungsanzahl: 399
Gewerbe/ Sondernutzung: 1.662 m²

Die Bauplätze entlang der Lindenbauergasse befinden sich innerhalb eines sehr heterogenen städtischen Flickwerks an der Wiener Peripherie. Die typologische Diversität der Umgebung wird in Form einer Bruchkante entlang der Lindenbauergasse besonders deutlich: Den hohen Wohnhausanlagen vorgelagert liegt ein weites Feld von Kleingartenhäusern. Durch die ausgedehnte niedrige Bebauung Richtung Norden, bietet sich von den drei Bauplätzen ein weiter Ausblick in Richtung Kraftwerk Simmering mit der dahinterliegenden Donau und dem Prater. Die drei bestehenden Wohnhausanlagen formen gleichartige, S-förmige Figuren, welche großzügige und ruhige Freiräume mit teilweise attraktivem Baumbestand umschließen. Jede Wohnhausanlage setzt sich aus mehreren 4- bis 11-geschossigen, schlanken Riegeln zusammen. Der Straßenraum wird durch die sich wiederholenden Abfolgen von hohen und niedrigen Baukörpern stark rhythmisiert und es entsteht eine klar lesbare Silhouette.
Ziel ist ein städtebauliches Konzept, welches über alle drei Bauplätze hinweg eine lesbare Geste formuliert und somit die bauplatzübergreifende Form und Gestaltung der bestehenden Wohnhausanlagen berücksichtigt. Im Rahmen einer Baumassenstudie wurden somit verschiedene typologische Ansätze hinsichtlich ihrer räumlichen Potentiale geprüft und bewertet. Favorisiert wird die Variante des «Freien Weiterbauens», in der die bestehenden städtebaulichen Figuren um weitere Baukörper ergänzt werden. Hier wird die markante Gebäudefigur der Wohnhausanlagen fortgeführt, bestehende Baukörperproportionen werden aufgenommen und städtebauliche Fluchten berücksichtigt. Jedoch erfolgt die innere Organisation der Neubauten anhand der konkreten räumlichen Potentiale des jeweiligen Bauplatzes. Zudem wird die S-förmige Figur um einen multifunktionalen und „durchlässigen“ Sockel ergänzt, welcher den Straßenraum flankiert und den öffentlichen Raum belebt und begleitet.
Pro Bauplatz werden zwei Baukörper ergänzt: Eine schlanke, 8-geschossige Wohnscheibe längs zur Lindenbauergasse nimmt Bezug auf die Trakttiefen der bestehenden Wohnhausanlagen und definiert eine Raumkante zur Straße. Quer dazu besetzt ein 11-geschossiger Riegelbau die offene Bauplatzecke an den Querstraßen und schließt die städtebauliche Figur ab. Durch die unterbrochene Front bleiben die Sichtverbindungen von den Bestandshäusern in Richtung Norden erhalten. Im «Inneren» wiederum entsteht ein beruhigter Freiraum, durch den bereits ansässige wie auch neue Bewohner profitieren.
Die Nord-Süd ausgerichteten, schlanken Scheiben werden als Spännertypologien mit durchgesteckten Wohnungen entwickelt. Die hohen Riegelbauten werden durch einen Mittelgang erschlossen und bieten Wohnungen Richtung Osten oder Westen, bzw. auch zweiseitig belichtetes Wohnen. Die durchlässige und aktive 1- bis 3-geschossige Sockelzone wird auf die Gegebenheiten bzw. Nutzungspotentiale der einzelnen Bauplätze hin zugeschnitten. Bauplatz 1 profitiert verkehrstechnisch von der Lage am Kreuzungsbereich zur Verbindungsstraße Unter der Kirche. Hier wird eine großflächige und disponible Sockelzone, z.B. für einen Nahversorger vorgesehen. Der mittlere Bauplatz – Bauplatz 2 – wird stark durch die übergeordnete Wegeverbindung zwischen dem Kleingartenverein und dem bestehenden Ladenzentrum südlich des Bauplatzes geprägt. Diese Wegeverbindung bleibt erhalten und wird durch flexibel nutzbare Erdgeschossflächen für kleinteiliges Gewerbe bzw. Gemeinschaftsräume in der Sockelzone des Bauplatzes flankiert. Bauplatz 3 liegt in Bezug auf seine Frequentierung weniger prominent. Eine zweigeschossige Gewerbefläche an der Bauplatzecke bietet Raum für ein Start-up oder Büroflächen. Gemeinschaftsräume werden in den Erdgeschosszonen über alle Bauplätze hinweg verteilt angeordnet.